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Akteure & Konzepte

Gespräche

Hans-Kaspar von Schönfels, Gründer und Chefredakteur des Fachmagazins Elite Report

Für Hans-Kaspar von Schönfels macht die „Elite“ von Stiftungsexperten aus, dass die Verantwortungsübernahme gegenüber dem Mandanten bei der Beratung im Mittelpunkt steht. Sowohl im Bereich der Stiftungsberatung als auch in der Branche der Vermögensverwalter beobachtet er eine zunehmende Professionalisierung und Qualitätssteigerung, begünstigt durch den starken Wettberwerb. Aus der sichtbar gewordenen "Elite der Stiftungsexperten" soll nun das
"1. Stiftungskolloquium im deutschsprachigen Raum" entwickelt werden.

Gespräch in Stiftung&Sponsoring 4/2009 Foto: Hans-Rudolf Schulz

S&S: Sehr geehrter Herr von Schönfels, was bedeutet Elite für Sie?

von Schönfels: Elite, das sind die Besten der Besten.

S&S: Anfang Juli haben Sie „Die Elite der Stiftungsexperten im deutschsprachigen Raum“ mit der goldenen Pyramide ausgezeichnet [siehe auch in dieser Ausgabe Seiten 57]. Neben diesem Spezialreport zum Stiftungsthema veröffentlichen Sie seit Jahren regelmäßig verschiedene Elite Reports wie etwa zur Branche der Vermögensverwalter, geschlossenen Fonds oder der Erbschaftsoptimierer. Welches Anliegen verfolgen Sie damit?

von Schönfels: Wir informieren Interessierte über Qualität und Leistung. Damit machen wir das Vorfeld einer Entscheidung begehbar. Unser Leser findet ohne Umschweife einen seriösen Beratungspartner, der sich in der Praxis bewährt hat.

S&S: Wo sehen Sie die besondere Verantwortung der Stiftungselite?

von Schönfels: In der stabilen Klarheit ihres Leistungsspektrums. Dies erlaubt dem Mandanten, sich wiederzufinden und verstanden zu fühlen. Kurzum, die Verantwortungsübernahme steht im Zentrum – und das nicht nur für eine Stunde.

S&S: Der Spezialreport „Die Elite der Stiftungsexperten im deutschsprachigen Raum“ erschien erstmalig vor über fünf Jahren. Was hat sich in der aktuellen Untersuchung zu diesem Thema im Rückblick auf die erste Ausgabe geändert?

von Schönfels: Gute Qualität ist begreifbarer geworden. Zudem gewinnt das Thema Stiftung in der Gesellschaft an Fahrt und die Experten geben wohltuende Leitplanken.

S&S: Nach welchem Verfahren haben Sie und die Redaktion die ausgezeichneten Banken, Kanzleien und Spezialisten ausgewählt?

von Schönfels: Am Anfang standen ein umfangreicher Fragebogen und viele, viele Einzelrecherchen. Aber am wichtigsten für die Verifizierung der Elite war die intensive und vertrauliche Leumundsbefragung, in der anerkannte Experten auf ebenbürtige Kolleginnen und Kollegen verwiesen.

S&S: Wie ist die Jury schließlich zur Bewertung der Experten gekommen, welche Kriterien haben Sie dazu entwickelt?

von Schönfels: Die Kriterien umfassen das gesamte bekannte Leistungsspektrum im Einzelnen und eine erfolgreiche Mandantenbetreuung im Ganzen. Neben fachlichem Tiefgang kristallisiert sich dabei Sattelfestigkeit im Thema und eine breite charakterliche Eignung heraus. Die Krönung dieser Recherche lieferten die Experten selbst durch ihr Urteil, bestätigt durch eine unabhängige Jury unter Leitung eines Richters am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.

S&S: Wieviele Banken, Kanzleien und Spezialisten haben Sie ausfindig gemacht, die sich mit der Stiftungsmaterie professionell beschäftigen?

von Schönfels: Insgesamt wurden annähernd 200 Adressen in Betracht gezogen. In die engere Wahl kamen nach einer ersten und zweiten „Siebung“ 80 Elite-Anwärter. Am Ende der Prüfungen blieben 53 Adressen übrig. Sie hatten in der Leumundsbefragung alle mehr als drei Nennungen: 23 Banken, 23 Kanzleien und sieben Spezialisten.

S&S: Kann diese Untersuchung denn überhaupt ein vollständiges Bild der Stiftungsexperten im deutschsprachigen Raum vermitteln?

von Schönfels: Nein, bis in den letzten Winkel hinein kann man das Bild nicht ausleuchten. Der Vorteil für den Leser ist aber, jetzt endlich die „Besten der Besten“ vorgestellt zu bekommen – auch auf die Gefahr hin, dass wir den einen oder anderen vielleicht übersehen haben. Für diese Fälle gilt: Der nächste Elite Report der Stiftungsexperten kommt bestimmt!

S&S: Ihr Spezialreport „Die Elite der Vermögensverwalter“ wurde in den Medien insbesondere dahingehend kontrovers diskutiert, dass die von Ihnen entwickelten Kriterien keine wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit gewährleisteten. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

von Schönfels: Der Mandant kann mit wissenschaftlicher Nachvollziehbarkeit nichts anfangen, zumal statistische Zahlen auch nichts in diesem komplexen und von menschlichen Neigungen bestimmten Themenfeld aussagen. Der Stiftungsinteressierte will nicht gelangweilt werden, sondern den sattelfesten Experten mit gutem Charakter benannt bekommen. Verantwortungsübernahme ist das Schlüsselwort! Das vorbildliche Verhalten in der Praxis und zufriedene Mandanten prägen zudem das Resultat. Vergessen wir dabei aber nicht, dass Stiftung und Vermögensverwaltung ein stark emotional geprägtes Eigenleben haben.

S&S: Was waren die Auslöser für Sie, den Bereich der Vermögensverwaltung vergleichbar zu machen?

von Schönfels: Wenig Transparenz, ein gering ausgeprägter Wettbewerb, das Image einer Geheimwissenschaft, aber auch viel Nichtwissen und gegenseitiges Unverständnis auf Seiten der Kunden und der Dienstleister haben mich schon vor vielen Jahren dazu bewogen, mich mit diesem Bereich zu befassen, die Akteure zu vergleichen – und das Thema damit nutzbar zu machen.

S&S: Wie ist das von Ihnen für diesen Report entwickelte Kriterium „Enteignungskoeffizient“ zu verstehen?

von Schönfels: Wer unverschämt seinen Kunden über Gebühr rentabilisiert – also ausnimmt wie eine Weihnachtsgans, der enteignet ihn. In der Vermögensverwaltung sollten die Honorare die Linie von 1,5 % vom Gesamtvermögen niemals überschreiten.

S&S: Was sind die Kennzeichen für eine exzellente Beratung in Stiftungsbelangen?

von Schönfels: Zuhören können, herausfinden was die Seele, das Herz, der Kopf des Mandanten mitzuteilen hat. Dazu muss dann konzeptionelle Begabung kommen, um juristisch und steuerlich sowie vermögensverwaltungstechnisch alle Parameter hieb- und stichfest zu gestalten.

S&S: Wann fällt ein Stiftungsberater aus der Elite heraus oder besonders negativ auf?

von Schönfels: Wenn der Eigennutz vor Mandantennutz gestellt wird und der Stiftungsberater willfährig den Interessen eines Dritten dient.

S&S: Wäre nicht neben einer Aufstellung der Besten auch eine Liste mit „Schwarzen Schafen“ der Branche interessant?

von Schönfels: Es ist besser, die Besten zu präsentieren, denn um die „Schwarzen Schafe“ macht jeder Vernünftige einen weiten Bogen, soweit man sie erkennen kann. Um Risiken zu umschiffen, wendet sich der anspruchsvolle Mandant immer an den, der bestens beleumundet ist.

S&S: Sie haben auch Banken ausgezeichnet. Dazu gleich mehrere Nachfragen: Welche Rolle nehmen Banken als Berater unter den führenden Stiftungsexperten ein? Warum sind diese Institutionen eigentlich geeignete Ansprechpartner für Stifter und Stiftungen? Gibt es angesichts des besonderen Interesses an der Übernahme der Vermögensverwaltung nicht gravierende Interessenkonflikte?

von Schönfels: Auch das ist eine Charakterfrage. Die Experten in den Banken können nicht nur gut koordinieren sich für ihren Kunden, den sie gut kennen, einbringen. Sie schützen damit ihren Kunden, der wiederum die fachliche Begleitung und Fairness zu würdigen weiß. Ein seriöser Experte in der Bank ist kein Sklave, sondern steht an der Seite seines Kunden, ohne ihn zu verraten. Aber mir ist natürlich bewusst, dass Mitarbeiter in vielen Banken einem ganz erheblichen Erfolgsdruck ausgesetzt sind. Wenn sich das herumspricht, schadet das gerade im Stiftungsbereich dem Ruf der Bank. Und ganz wichtig ist, dass die Banken sich nicht in die Organe oder gar in das operative Geschäft der Stiftung hineindrängen oder hineindrängen lassen. Sie sollten sich darauf besinnen, dass ihre Kernkompetenz in der Vermögensverwaltung liegt und nicht in der Erstellung von Satzungen oder Beurteilung von Förderanfragen.

S&S: Kann man sagen, dass sowohl der Bereich der Stiftungsberatung als auch die Branche der Vermögensverwalter sich zunehmend professionalisiert? Wo sehen Sie die Gründe dafür?

von Schönfels: Ja – die Qualität steigt, denn das Thema steht stark im Wettbewerb. Allerdings darf man gewisse Gefahren, wie sie gerade in manchen Banken lauern, nicht ignorieren.

S&S: Haben Sie den Eindruck, dass der Wettbewerb um Aufnahme in die „Bestenlisten“ des Spezialreports für Stiftungsberater und Vermögensverwalter auch die Qualität der Dienstleistungen in diesen Sektoren vorantreibt?

von Schönfels: Ich denke und hoffe, dass die Dienstleistungen sich auch aufgrund unserer Arbeit in ihrer Qualität zügig weiterentwickeln, auch wenn einige Dienstleister dabei auf der Strecke bleiben.

S&S: Im Report stellen Sie Ihre Idee der Eskort-Stiftung vor. Was verstehen Sie darunter?

von Schönfels: Wir wollen damit den Bereich der Zustiftung und Spendenbereitschaft mediengerecht vitalisieren. Stiften und Spenden muss mehr Spaß machen und zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Als Anregung folgendes Beispiel einer Zustiftungs- oder Spendenshow: Warum sollte man nicht mit einem lokalen Sender etwa die bekannten Bremer Stadtmusikanten einzeln „versteigern“, also mit einem oder mehreren großzügigen Förderern beglücken? Diese wiederum würden auf einer extraplatzierten Stele gewürdigt, solange ihr finanzieller Begleitschutz anhält.

S&S: Wie sehen Ihre zukünftigen Aktivitäten für den Stiftungsbereich aus?

von Schönfels: Aus der jetzt sichtbar gewordenen Elite der Stiftungsexperten werden wir das „1. Stiftungskolloquium im deutschsprachigen Raum” entwickeln, um auch in stiftungspolitischer Hinsicht den Geist der Mitglieder nutzen und die Gesellschaft positiv mitgestalten zu können.

S&S: Sind Sie selbst Stifter?

von Schönfels: Ich habe einen Versuch gemacht, wollte einer der schönsten sächsischen Dorfkirchen, die einer meiner Vorfahren um 1513 erbaut hat, eine neue Glocke stiften – für 30.000 €. Aber ich wurde abgewiesen, weil man, die Historie ignorierend, eine Stifterbanderole um den Klangkörper fürchtete. In der Zwischenzeit hat man drei sächsische „Einheitsglocken“ in den unzugänglichen altehrwürdigen Turm gehängt.

S&S: Hat sich Ihre Motivation zu Stiften mit diesem Fehlschlag erschöpft?

von Schönfels: Nein, natürlich nicht! Warum soll ich nicht stiften, es gibt ja noch genügend andere Projekte, die mich interessieren. Ich habe bereits eine andere Kirche im Blick, der ich etwa Gutes tun will und werde weiterhin versuchen, mein Engagement unterzubringen.

S&S: Wie würden Sie die Philosophie Ihres Schaffens beschreiben?

von Schönfels: Ich bin Lobbyist der Vermögenden und Leistungsorientierten, aber auch Moderator zwischen den Partnern dieser Bereiche. Mein bester Freund ist mein Leser. Mein zweitbester Freund ist der, der meinen erstbesten Freund gut und fair behandelt.

S&S: Herzlichen Dank, Herr von Schönfels, für das Gespräch. 

Zum Interview

Zur Person

Hans-Kaspar von Schönfels, am 28.2.1943 im Vogtland geboren, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Aufgewachsen in Norddeutschland lebt der Autor und Wirtschaftsjournalist heute in München. Er hat Zeitschriften und Magazine in der Finanzbranche entwickelt und als Chefredakteur geführt. Bereits vor 20 Jahren befasste er sich dabei mit dem komplexen Thema der Vermögensverwaltung. Den Spezialreport „Die Elite der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum“ und „Die Elite der Stiftungsexperten“ gibt er zusammen mit dem Handelsblatt heraus, www.elitereport.de

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