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Literaturtipps

Fundraising im Gesundheitswesen

Fundraising im Gesundheitswesen. Leitfaden für die professionelle Mittelbeschaffung
Oliver Steiner / Martin Fischer (Hg.)
Stuttgart: Schattauer GmbH Verlag 2012, S. 238, 49,95 €
ISBN 9-7837-9452811-0

Die Herausgeber: Oliver Steiner arbeitet als Fundraising-Berater im Gesundheitswesen, ist Politologe und Betriebswirt (FH). Martin Fischer ist Politologe (M.A.), Fundraiser (FA), Stiftungsmanager (DSA) und arbeitet als Fundraiser in Krefeld. Dem Schattauer Verlag gebührt Dank für die Veröffentlichung dieser relevanten Fundraisingarbeit. Alle 14 Autoren bzw. deren Beiträge einzeln zu würdigen würde den Rahmen der Rezension sprengen.

Eingangs lässt sich die Frage stellen: Wofür brauchen wir Fundraising im Gesundheitswesen? Die Antwort ist eindeutig: Durch den ständigen Verdrängungswettbewerb müssen einzelne NPOs im Gesundheitswesen um ihre Existenz kämpfen. Fundraising bietet sich als zusätzlicher Rettungsanker an; ein neuer Helfertypus ist gefragt.

Bereits Opaschowski schreibt: „Der neue Helfertypus lebt und erlebt eine Kultur des Helfens, die deutlich zwangsloser, zeitlich begrenzter, inhaltlich offener und zugleich weniger von einem moralisch aufgeladenen Helferpathos geprägt ist“, in: Der Deutschland-Plan. Was in Politik und Gesellschaft getan werden muss, 2011, S. 198. Das, was gut für das Gemeinwohl ist, ist bestimmt auch gut für das Gesundheitswesen.

Steiner betont schon im Vorwort, dass dieses Werk besonders für Fundraisinginteressierte Leitungskräfte im Gesundheitswesen geschrieben ist; dabei spielt der Praxisbezug eine wichtige Rolle. Diese Studie gliedert sich in fünf Teile und eine Schlussbetrachtung mit Ausblick.

In Teil 1 wird einführend die Fundraising-Definition und die Bedeutung des Fundraising im Gesundheitswesen dargelegt. Im Vordergrund steht die Frage: Wie lassen sich dies bezügliche Besonderheiten charakterisieren? Was ist organisatorisch mit Gesundheitswesen gemeint? Es wird u.a. auf Krankenhäuser, medizinische Forschung, Hospize, Pflegeeinrichtungen, Stiftungen und Einrichtungen zur Förderung von Menschen mit Behinderungen, Hilfsorganisationen und Rettungsdienste hingewiesen. Abschließend werden rechtliche und steuerliche Aspekte beschrieben.

In Teil 2 werden die organisatorischen Grundlagen und Kriterien für Fundraising im Gesundheitswesen erläutert. Dabei werden strategische Voraussetzungen für erfolgreiches Fundraising der Reihe nach benannt: Case For Support, Förderprojekte, persönlicher Zugang zu Spendern, Transparenz des Finanzbedarfs, Fürsprecher und Multiplikatoren. Am Schluss wird für eine erfolgsorientierte Zusammenarbeit der Geschäftsführung mit allen übrigen Beteiligten plädiert. Repräsentativ sind hier die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel als Belege öffentlicher Glaubwürdigkeit.

Teil 3 umreißt die Wege und möglichen Spenden-Quellen. Unter anderem wird auf die allgemeine Spenden-Struktur (Geldspenden, Sachspenden und Zeitspenden) hingewiesen und betont, dass Geldspenden als die wichtigste Spendenform im Gesundheitswesen gilt. Es wird aber auch die Wichtigkeit der Ehrenamtlichkeit und der Zeitspenden betont. Für das Gesundheitswesen ergeben sich Spenden-Chancen durch Unternehmen. Hier spricht man von Corporate Social Responsibility (CRS), wohl wissend, dass diese von den jeweiligen Unternehmenszielen und der Geschäftsführung abhängig ist.

In Teil 4 beziehen sich die Autoren auf amerikanische Fundraisingmodelle und übertragen diese auf das Gesundheitswesen in Deutschland. Es werden die Großspender, also Major-Donor-Fundraising, und Testamentspenden erwähnt. Auch die sog. Capital Campaigns als Finanzierung von bestimmten Projekten gehören zum Großspender-Fundraising. Bei Capital Campaigns ist wichtig zu klären, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind (vgl. Urselmann, in: Fundraising. Professionelle Mittelbeschaffung für steuerbegünstigte Organisationen, 2011, S. 87). Des weiteren werden die Kleinspender im Fundraising angesprochen, z.B. Annual Giving und Monthly Giving. Anschließend werden u.a. Ehrenamtlichkeit und Freiwilligenarbeit, Events, Mailings, Online-Fundraising, Telefon-Fundraising, Bußgeldmarketing, Lotterien, Tombolas und Patenschaften kurz besprochen. Zu recht wird auf das Positive und Wertvolle im Relationship-Fundraising hingewiesen unter der Voraussetzung, dass solche Beziehungspflege auf Langfristigkeit angelegt ist.

Teil 5 ist umfangreicher und bezieht sich auf die Berufspraxis. Es werden Beispiele aus der Fundraising-Praxis präsentiert. Erfahrene und etablierte Fundraiser kommen zu Wort. Vorweg wird auf den besonderen Status der Krankenhäuser hingewiesen, indem Datenschutz, Vertraulichkeit, Werbung, Spenden und Sponsoring nach dem geltenden Recht zu handhaben sind. Im Folgenden werden Stiftungen im Gesundheitswesen in ihrer sozialen Relevanz besprochen. Es wird darauf hingewiesen, dass Fundraising als Betätigungsfeld z.B. in Kliniken noch vergleichsweise jung ist. Fundraising und Spenden für die medizinischen Universitäten befinden sich erst in den Anfängen ihrer Entwicklung. Es ist richtig, dass dem Mailing große Aufmerksamkeit gewidmet wird. Alle Argumentationen zusammengefasst belegen, dass Fundraising im Gesundheitswesen als Finanzierungschance verstanden wird. Ein überzeugendes Beispiel dafür ist die Angelika-Lautenschläger-Klinik des Universitätsklinikum Heidelberg.

Fazit
Steiners / Fischers Fundraising Publikation bietet mehr als der Titel verspricht. Dafür sprechen drei Argumente: Erstens ist es ein gelungener leserfreundlicher Leitfaden. Zweitens, werden in dieser Studie Beiträge herausragender Fundraiser wie Marita Haibach, Kai Fischer und Michael Urselmann berücksichtigt. Drittens, lassen sich hier für die Praxis wertvolle Erkenntnisse ableiten. Allerdings erfordert die Beherrschung der Fachtermini eine hohe Lernmotivation.

In der Einleitung schreiben die Herausgerber: „Gesundheit wird im Allgemeinen als das wichtigste Gut des Menschen angesehen. Und Gesundheit wird zunehmend Teil des wirtschaftlichen Wettbewerbs“ (S. 1) und in der Schlussbetrachtung: „Fundraising-Spendeneinwerbung für gemeinnützige Organisationen und Kapitalaufbau für Stiftungen müssen zur nachhaltigen Aufgabe der gesamten Organisation im Gesundheitswesen werden“ (S. 209). Mit Fundraising bauen die Herausgeber bzw. die Autoren eine psychologische Brücke zwischen dem einzelnen Menschen und dem Gesundheitswesen. Krankenhäuser gehören zu den Stationen, in denen das Helfen und das Retten des menschlichen Lebens höchste Bedeutung haben. Fundraising ist eine wertvolle Bereicherungs-Option nicht nur im materiellen Sinne des Wortes, sondern auch im Sinne des ehrenamtlichen Engagements. Das Gesundheitswesen ist in diesem Kontext mit einer viel versprechenden Fördervariante konfrontiert. (27/03/12; Quelle: Dr. Siegmund Pisarczyk, Hamburg)

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