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Vermögen & Finanzen

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Investieren mit Sicherheitsnetz

Fondpreisuntergrenze als Wertsicherungsstrategie

von Manuela von Ditfurth, Frankfurt am Main

Wenn Aktienmärkte über längere Zeiten kontinuierlich steigen, rücken Sicherheitsaspekte bei der Geldanlage eher in den Hintergrund. Durch die an den Kapitalmärkten herrschende Situation ist ist diese Haltung in das Gegenteil verkehrt. Mit dem Jahr 2008 ging ein rabenschwarzes Börsenjahr zu Ende. Ausgehend von der Immobilienkrise in den USA verschlechterten sich die volkswirtschaftlichen Rahmendaten weltweit und die Volatilitäten an den Kapitalmärkten stiegen sprunghaft an. Viele Geldanlagen, darunter auch die von Stiftungen, sind von dieser Krise getroffen worden. In einem solchen negativen Börsenumfeld ist der Kapitalschutz immens wichtig.

Der Kapitalschutz kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden. Neben einem disziplinierten Investmentprozess und einer taktischen Asset Allokation gewinnen in diesem Zusammenhang Wertsicherungsstrategien immer mehr an Bedeutung.

Fondpreisuntergrenze
Um die Absicherung des eingesetzten Kapitals in einem Fonds weitestgehend zu gewährleisten, kann beispielsweise eine Wertsicherungsstrategie in Form einer Fondpreisuntergrenze in Betracht gezogen werden, die nicht unterschritten werden soll. Im Vorfeld, also z.B. bei Auflegung des Fonds wird die Fondspreisuntergrenze als ein beliebiger Prozentsatz des Fondspreises individuell definiert. Sie kann alternativ statisch auf dem Anfangsniveau verbleiben oder dynamisch nach oben angepasst werden, sobald der Fondspreis über das Ausgangsniveau steigt.

Übernachtrisiko
Bei der dynamischen Variante wird das Gesamtrisiko des Fonds täglich so gesteuert, dass das Wertsicherungsziel auch bei starken Kurseinbrüchen an den Kapitalmärkten in der Regel nicht gefährdet ist. Das tägliche Gesamtrisiko des Fonds steht so in engem Zusammenhang zum verfügbaren Risikobudget, welches die Differenz von Fondspreis und Fondspreisuntergrenze darstellt. Die relevante Größe für die Steuerung der Aggressivität der Wertsicherung ist das sog. Übernachtrisiko. Dieses gibt an, wie hoch der Maximalverlust zum Beispiel für Aktien über Nacht sein darf, damit der Fondspreis gerade noch über der vorgegebenen Untergrenze bleibt. Ein niedrigerer Wert des Übernachtrisikos führt im Allgemeinen zu höheren Aktienquoten und somit zu einer höheren Volatilität des Fonds. Höhere Werte für das Übernachtrisiko erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Untergrenze auch bei einem scharfen Marktrückgang eingehalten werden kann.

Anpassung durch Index-Futures
Die Überprüfung von Portfolios in Bezug auf die Wertsicherung geschieht täglich und bei Bedarf findet entsprechend eine Anpassung statt. Hierzu werden z.B. die liquidesten Index-Futures gekauft, die einen möglichst großen Teil der weltweiten Marktkapitalisierung abdecken. Auf der Aktienseite sind das beispielsweise EuroStoxx 50, S&P 500 und Nikkei-225 Kontrakte und auf der Rentenseite Bund, US Treasury und JGB Kontrakte.

Ein theoretisches Beispiel dient der Veranschaulichung. Der Erstanteilswert beträgt 100 €, d.h. die anfängliche Fondspreisuntergrenze liegt bei 90 € (ausgehend von einem Risikobudget von 10%). Am nächsten Tag erreicht der Fondspreis 105 €. Die Fondspreisuntergrenze wird dann auf 94,5 € nachgezogen. Sinkt der Fondspreis, verbleibt die Fondspreisuntergrenze auf dem zuletzt erreichten Niveau; sie kann also niemals wieder abgesenkt werden.

Kurz & knapp
Eine Fondspreisuntergrenze ermöglicht es dem Investor, das eingesetztes Kapital nicht nur weitestgehend zu schützen, sondern erzielte Gewinne auch kontinuierlich festzuhalten. Wenn die Fondspreisuntergrenze im Zeitablauf über den ursprünglichen Einstiegskurs des Investors steigen würde, wäre ab diesem Zeitpunkt das gesamte eingesetzte Kapital des Anlegers durch den Sicherungsmechanismus geschützt.

Manuela von Ditfurth ist Senior Portfolio Manager bei Invesco Quantitative Strategies International
ZUM THEMA Anders, Peter: In der Krise Werte sichern und steigern: Dynamisches Risikomanagement in der Anlage von Stiftungsvermögen, Stiftung&Sponsoring 1/2009, S. 28 f.

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