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Die verkaufte Verantwortung

Das Buch von Alexander Glück ist eine provokante, im besten Sinne polemische Auseinandersetzung mit dem modernen Spendenwesen und Fundraising, dem ihm zugrundeliegenden Menschenbild und Geschäftsmodell, der Denkweise seiner Akteure und der Fragwürdigkeit seiner Instrumente.

Auf der Grundlage eigener Erfahrungen und anhand griffiger Beispiele aus der Praxis legt der Autor die Mechanismen von subtiler Führung, Unterhaltungslust, Sozialromantik, Gruppendruck und Euphorisierung im Spendenwesen offen. Seine Sprache ist bildreich, dabei sachkundig und präzise, mitunter bewusst überspitzt und plakativ. Ganz nebenbei erhält der (direkt angesprochene) Leser jede Menge Tipps aus dem Spendenmarketing mitgeteilt, allerdings kritisch hinterfragt.

Sehr deutlich skizziert und kritisiert der Autor eine auf das Prinzip der Verantwortungsverschiebung aufgebaute Spendenkultur. Zwar sieht der Autor die Arbeit der Hilfsorganisationen als grundsätzlich sinnvoll und notwendig an. Vehement wendet er sich aber gegen die technisierte und kostspielige, letztlich aus Spenden finanzierte Instrumentalisierung von Elend und Mitgefühl. Der Fundraiser präsentiert Missstände und gleichzeitig Lösungen – der Spender stellt die Mittel bereit und übergibt seine menschliche Verantwortung.

Einige von Glücks Kernthesen:

  • Fundraising ist überwiegend Selbstzweck.
  • Die Spenden dienen zu erheblichen Teilen der Eigenfinanzierung des jeweiligen Hilfswerks.
  • Fundraising zielt auf die Entmündigung und emotionale Ausbeutung der Geber.
  • Fundraiser machen sich bewusst die Affekte des Spenders dienstbar und nutzen dabei alle Werkzeuge des Marketings. Spenden wird so zur Form des Massenkonsums.
  • Fundraiser lassen sich als „Sozialmakler“ von den Spendern für die Illusion bezahlen, ihre Organisationen übernähmen eine Teilverantwortung für die Verbesserung der Welt.
  • Die wachsende Branche der Fundraiser präsentiert sich als Antwort auf die von ihr selbst verursachten Tendenzen steigenden Konkurrenzdrucks.

Alexander Glück vertieft und erweitert seine Thesen, die er im Herbst 2008 unter dem Titel “Der Spendenkomplex. Das kalte Geschäft mit heißen Gefühlen” vorgelegt hat. Er argumentiert und plädiert für eine “neue Spendenkultur”, deren Bestandteile ein neuer Fundraiser und ein veränderter Spender sind, die sich wirklich sozial aufmerksam und selbstverantwortlich für die Behebung globaler Missstände einsetzen, anstatt sich mit ihnen zu arrangieren und nur deren Symptome zu bearbeiten.


Aus dem Inhalt

  • Das Spenderbild der Fundraiser
  • Die Methoden der Fundraiser
  • Individuelles aus der Retorte: Verwaltungsprogramme
  • Erst essen, dann spenden: Galas und Charity-Bankette
  • Grundlos schrill: Entenrennen und andere Torheiten
  • Die Übergabe der Verantwortung an die Fundraiser
  • Die Rolle der Transparenz im Fundraising
  • Gütesiegel, Prüfstellen und ihre Arbeit

Ein Buch, das Widerspruch wecken und zum Nachdenken anregen wird. Eine notwendige Reflexion, um eine Selbstbeschädigung des wichtigen Nonprofit-Sektors zu verhindern. Es richtet sich an Spender und Fundraiser, die Verantwortlichen in spendensammelnden Organisationen und eine kritische Öffentlichkeit.

Kostenlose Leseprobe (PDF)

Bibliografische Angaben
Alexander Glück:
Die verkaufte Verantwortung. Das stille Einvernehmen im Fundraising
Stiftung&Sponsoring Verlag. Essen 2009
ca. 200 Seiten, 25 Tabellen, 37 Abbildungen
ISBN: 978-3-9812114-2-9

Preis: 24,90 €

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Der Autor
Geboren 1969 in Usingen/Taunus, widmete er seinen Zivildienst dem Rettungswesen und blieb anschließend während seines sozialwissenschaftlich-geschichtlichen Studiums dem medizinischen Bereich als Pflegehelfer auf einer Akutstation verbunden. Er lebt und arbeitet seit 1996 als Publizist in Wien und Hollabrunn. Während seines Engagements für Hilfswerke in Rumänien ab 2003 beobachtete er aktiv, nicht zuletzt an sich selbst, die Kooperationsstrukturen zwischen Helfern und Unterstützern. Alexander Glück veröffentlichte u.a. in Frankfurter Rundschau, Stern, Standard und Die Presse.


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