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Förderung des Drehstangentischfußballs ist gemeinnützig

FG Hessen, Urteil vom 23.6.2010, 4 K 501/09

Die Förderung des Tischfußballs in der Form des wettkampfmäßigen Drehstangen-Tischfußballs ist gemeinnützig, weil es sich um Förderung des Sports i.S.v. § 52 Abs. 2 Nr. 2 S. 1 AO handelt.

Der klagende Verein fördert nach seiner Satzung den Tischfußballsport in Form des Drehstangenfußballs (Kicker). In dieser Variante des Tischfußballs werden – anders als z.B. beim Tipp-Kick – Metallstangen, an denen sich Spielerfiguren befinden, mit einem gewissen Kraftaufwand und einem hohen Maß an Konzentration und Geschicklichkeit bewegt. Der Kläger ist Ausrichter und Organisator der Bundesliga dieser Tischfußballart. Das FA versagte dem Kläger die Körperschaftsteuerfreistellung mit der Begründung, nach der Definition, die der BFH für den gemeinnützigen Sport i.S.V. § 52 Abs. 2 AO entwickelt habe, müsse Sport der körperlichen Ertüchtigung dienen und über das sonst übliche Maß an Aktivität deutlich hinausgehen. Dies sei beim Tischfußball, ähnlich wie beim Tipp-Kick, dem aufgrund höchstrichterlicher Rechtsprechung die Anerkennung als gemeinnützig versagt worden sei, nicht der Fall. Es handele sich vielmehr um eine Freizeitbeschäftigung, auch wenn sie wettkampfmäßig betrieben werde.
Nach Ansicht des FG wurde die Körperschaftsteuerfreistellung zu Unrecht versagt.
Es bezieht sich auf die Auslegung des Begriffs „Sport“ in einem BFH-Urteil vom 29.10.1997 I R 13/97 (BStBl. II 1998, 9). Erforderlich für die geforderte „körperliche Ertüchtigung“ sei danach eine körperliche Aktivität, die durch äußerlich zu beobachtende Anstrengung oder durch, einem persönlichen Können zurechenbare, Kunstbewegungen gekennzeichnet sei. Nicht erforderlich sei eine körperliche Ertüchtigung durch Leibesübung. In der Konsequenz sehe der BFH ja auch sämtliche Formen des Motorsports und des Sportschießens als Sport i.S.v. § 52 Abs. 2 AO an.
Eine solche, über das übliche Maß hinausgehende Aktivität sei zumindest bei der wettkampfmäßigen Ausübung des Drehstangenfußballs gegeben. Diese konkrete Art der Ausübung des Drehstangenfußballs eigne sich aufgrund des dafür erforderlichen Körpereinsatzes und der Anforderungen an Konzentration und Kondition zur körperlichen Ertüchtigung der Spieler, wie sie der BFH in seinen neueren Urteilen fordere. Der Drehstangenfußball erfordere einen wesentlich höheren Kraft- und Bewegungsaufwand als z.B. das nicht als gemeinnützig anerkannte Tipp-Kick. Er sei im Hinblick auf Geschick, körperliche Leistungsfähigkeit und Konzentrationsvermögen durchaus vergleichbar mit als gemeinnützig anerkannten Sportarten wie Motorsport, Segelfliegen, Dart oder Sportschießen.
Das FG hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung die Revision zugelassen.

Quelle: Evelyn Manteuffel, RAin, Deutsches Stiftungszentrum GmbH
im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

(siehe dazu auch zum Begriff der sportlichen Veranstaltung in umsatzsteuerlicher Sicht FG Köln, Urteil vom 08.10.2009, 10 K 3794/06, S & S 1/2010 S. 50)

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