Recht & Steuern

Urteile & Erlasse

Ermäßigter Umsatzsteuersatz auf theaterähnliche Autorenlesungen gegen Entgelt

Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 25. Februar 2015: Die reine Autorenlesung vor Publikum ist weder eine Theatervorführung noch eine den Theatervorführungen vergleichbare Darbietung. Eine Autorenlesung vor Publikum kann jedoch theaterähnlich sein, so dass die Eintrittsberechtigungen hierfür dem ermäßigten Umsatzsteuersatz unterliegen.

Die Klägerin ist Schriftstellerin und führte im Jahr 2008 Lesungen aus ihrem zuvor erschienen Buch durch. Sie unterwarf die hierdurch erzielten Umsätze dem ermäßigten Steuersatz. Das FA setzte die USt zum Regelsteuersatz fest. Die hiergegen gerichtete Klage hatte sowohl vor dem FG [siehe dazu S&S 6/2012, S. 34] als auch vor dem BFH Erfolg.

Die Umsätze unterliegen, so der BFH, dem ermäßigten Steuersatz nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst.a UStG. Nach dieser Bestimmung ermäßigt sich die Steuer für die Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen sowie die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler.

Der Bundesfinanzhof versteht unter Theatervorführungen dabei nicht nur die Aufführung von Theaterstücken, sondern auch zum Beispiel Darbietungen der Pantomime, der Tanzkunst und der Kleinkunst. Begünstigt sind auch Mischformen von Sprech-, Musik- und Tanzdarbietungen. Allerdings kann die Steuervergünstigung nur in Anspruch genommen werden, wenn die Vorführung zumindest entweder als theaterähnlich oder konzertähnlich einzustufen ist. Theater bezeichnet dabei alle Formen der szenischen Darstellung sowie der künstlerischen Kommunikation zwischen Darstellern und Zuschauern. Hierzu zählt auch die „Rezitation“ als Form des künstlerischen Vortrages, deren Ziel es ist, literarische Werke mit Hilfe von Sprache hörbar zu machen, wobei Interpretationstechniken wie Atemtechnik, Stimmtechnik sowie Sprechtechnik von Bedeutung sind. Das reine Vorlesen eines Autors aus seinem Buch vor Publikum fällt nicht hierunter.

Im entschiedenen Fall hatte die Klägerin ihre Lesungen in einer besonderen Form abgehalten, die der BFH als theaterähnlich im oben beschriebenen Sinne angesehen hat. Nach den Feststellungen des FG veränderte sie häufig ihre Stimme zum Ausdruck besonderer Situationen oder zur Darstellung behandelter Personen und unterstrich dies mit Mimik, Körperhaltung und Bewegung, unterbrach das eigentliche Lesen immer wieder und kommunizierte mit dem Publikum.

Aktenzeichen: XI R 35/12

Zur Übersicht "Recht & Steuern // Urteile & Erlasse"