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Recht & Steuern

Urteile & Erlasse

Ermäßigter Umsatzsteuersatz auf das Honorar für eine Autorenlesung

Urteil des Finanzgerichts Köln vom 30. August 2012: Das Honorar für eine Autorenlesung unterliegt dem ermäßigten Steuersatz, wenn die Lesung mit einer Theateraufführung vergleichbar ist.

Die Klägerin, eine Schriftstellerin, führte im Streitjahr Lesungen aus ihrem zuvor erschienen Buch durch. Die Honorare für diese Lesungen behandelte sie in ihrer Umsatzsteuererklärung als dem ermäßigten Steuersatz unterliegend. Das FA setzte die Umsatzsteuer mit dem Regelsatz fest. Die hiergegen gerichtete Klage hatte vor dem FG Erfolg.

Gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG gilt für Darbietungen ausübender Künstler, die Theatervorführungen und Konzerten vergleichbar sind, der ermäßigte Steuersatz. Das FG hat die Autorin als ausübende Künstlerin angesehen, die mit der Lesung eine einer Theaterdurchführung vergleichbare Darbietung erbringt. Ausübender Künstler ist nach der Legaldefinition des § 73 UrhG, wer ein Werk aufführt, singt, spielt oder auf andere Weise darbietet oder an einer solchen Darbietung künstlerisch mitwirkt.

Im vorliegenden Fall hat die Klägerin ihr literarisches Werk auf andere Weise, nämlich in Form einer Lesung, dargeboten. Diese Darbietung ist, so das FG, einer Theatervorführung vergleichbar. Die Rechtsprechung versteht unter Theatervorführungen i.S.v. § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG auch Aufführungen der Kleinkunst. Das FG hat die Lesungen der Klägerin unter diese Darbietungsform subsumiert. Die Autorin bringe dem Publikum die Inhalte ihres Buches mit Hilfe der Sprache, Stimme, Körperhaltung und Bewegung näher. Dies seien am Theater orientierte Verhaltensweisen, die Texte lebendig werden ließen und damit sogar über das zur Kleinkunst gehörende Rezitieren hinausgingen. Darüber hinaus unterbreche die Autorin die eigentliche Lesung immer wieder für Erläuterungen, die einen engeren oder weiteren Bezug zum Buch hätten. Ihre Darstellung gehe also, so das Gericht, weit über das bloße Lesen eines Buches hinaus.

Das Gericht setzt sich mit der in Absch. 12.7 Abs. 8 S. 1, 2 UStAE niedergelegten Verwaltungsauffassung auseinander, wonach ein Schriftsteller, der im Rahmen einer Veranstaltung Werkausgaben signiert und dafür vom Veranstalter ein Entgelt erhält, sonstige Leistungen erbringt, die dem Regelsteuersatz unterliegen. Dies gilt nach Auffassung der Finanzverwaltung auch dann, wenn der Schriftsteller aus seinen Werken liest. Das Gericht lässt offen, ob dieser zu § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. c UStG entwickelten Verwaltungsauffassung die Aussage zu entnehmen ist, dass auch Autorenlesungen nicht dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. Jedenfalls nenne die Finanzverwaltung keine Argumente, die Zweifel an der dargestellten Rechtsauffassung des Gerichts begründen könnten.

Die Revision ist zugelassen.

Aktenzeichen: 12 K 1967/11

Ausführliche Urteilsbegründung auf der Website der NRW-Justiz

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