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Organisation & Kommunikation

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Glück, Die verkaufte Verantwortung

Rezension von Heiner Beisenherz

2008 erschien „Der Spendenkomplex“ von Alexander Glück. Das Buch erregte Aufsehen in Spendenorganisationen, wird in ihm doch die bisweilen fragwürdige Mechanik des Spendens so dargestellt, als handele es sich um eine moderne Art des Ablasshandels. In der breiten Öffentlichkeit blieben die Thesen des Autors mangels Verbreitung des Buches ohne Widerhall. Mit dem aktuellen Titel legt Glück nach und prangert die Praktiken des Fundraising in scharfer, nicht selten polemischer und stark überzeichneter Form an.

Schon im Vorwort agitiert Glück in geradezu reißerischer Form gegen Fundraising-Dinners: „Wir werden Wohltätigkeits-Schlemmereien beobachten, bei denen ein paar läppische Euro das Feigenblatt bilden, mit dem die exotischen Knabbereien einer pseudoelitären, jedenfalls exklusiven Gesellschaft garniert sind, und die ganz nebenbei zur Festigung gesellschaftlicher Unterschiede beitragen. Wir lernen Veranstaltungen kennen, die vordergründig einen sozial angehauchten Zweck verfolgen, bei denen aber knallharte Geschäftsleute mit Billigware beste Geschäfte machen.“ Mancher Leser mag an dieser Stelle die Lektüre abbrechen, weil er sich in seiner Erwartung einer seriösen Untersuchung im Ringen um Erkenntnis, Einordnung und Bewertung der Fundraising-Instrumente getäuscht sieht. Das indes wäre sehr bedauerlich, enthält das Buch doch viele ernst zu nehmende Aussagen, so z. B. über die Ineffizienz von Spenden-Mailings oderSpender, die sich ihrer sozialen Verantwortung durch Hingabe finanzieller Zuwendungen an Nonprofit-Organisation entledigen. Auch wenn das Werk in seiner Darstellung eher einer Philippika gleicht, sei es zur aufmerksamen Lektüre empfohlen, denn es wirft viele richtige Fragen auf und regt zum Nachdenken an. (Heiner Beisenherz, selbstständiger Fundraising- Projektmanager, Berlin)

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