Vermögen & Finanzen

Literaturtipps

Nonprofit-Management

Buber, Renate / Meyer, Michael (Hrsg.): Fallstudien zum NPO-Management. Praktische BWL für Vereine und Sozialeinrichtungen. Stuttgart (Schäffer-Poeschel) 2. Aufl. 2009 (IX, 454 S.) 39,95 € (ISBN 978-3-7910-2845-3)

Jung, Rüdiger / Bruck, Jürgen / Quarg, Sabine: Allgemeine Managementlehre. Lehrbuch für die angewandte Unternehmens- und Personalführung. Berlin (Erich Schmidt) 3. Aufl. 2009 (XVIII, 635 S.) 39,80 € (ISBN 3-503-11240-5)

Schwien, Bernd: Ganzheitliche Unternehmensführung in Nonprofit-Organisationen. Vernetzung von Balanced Scorecard, Risiko- und Wissensmanagement, Controlling, Personalentwicklung. Stuttgart (Schäffer-Poeschel) 2009 (X, 204 S.) 39,95 € (ISBN 978-3-7910-2894-1)

Dass Führungskräfte in Nonprofits neben Erfahrung und sozialer Kompetenz auch betriebswirtschaftliches Know-how mitbringen müssen, war schon vor der Finanzkrise bekannt, die den Sektor im nunmehr dritten Jahr bedrängt und den NPO-Managern zunehmend weitreichende Fertigkeiten abverlangt. Davon zeugen nicht zuletzt auch einige spezielle Weiterbildungsmöglichkeiten oder Studiengänge [vgl. etwa Sandberg, Berit: Masters in the Nonprofit-Universe. Ein neuer Studiengang in Berlin, S&S 3/2009, S. 30].

Das Lehrbuch von Jung u.a. gibt einen systematischen Einblick in alle wichtigen Bereiche des Managements. Nach einem kurzen Grundlagenteil (S. 1 ff.) werden in zwei umfassenden Kapiteln die institutionelle (S. 21 ff.) und funktionelle Dimension des Managements (S. 91 ff.) betrachtet. Das Kapitel „Besondere Handlungsfelder des Managements“ (S. 467 ff.) beschäftigt sich z.B. mit Change Management, ein für die Organisationen des Dritten Sektors, die sich flexibel den Änderungen der rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen müssen. nicht zu vernachlässigendes Fachgebiet. Besonders bei alteingesessenen, traditionellen Einrichtungen besteht hierbei häufig „Lernbedarf“. Erwähnenswert sind auch die Handlungsfelder des internationalen Managements und des Krisen- und Sanierungsmanagements. Einige Bemerkungen zum „Management im Widerspruch von Führungsanspruch und Führungsgrenzen“ (S: 573 ff.) schließen die inhaltlichen Ausführungen ab. Literatur-, Autoren- und Stichwortverzeichnisse sind beigegeben (S. 581 ff.). Das Lehrbuch bietet nach jedem abgeschlossen Thema einige Frage „Zur Wiederholung“ an, um das Gelesene zu reflektieren. Zahlreiche Grafiken helfen dabei, sich in den teilweise recht komplexen Theorien zurechtzufinden. Weil das Buch eben nicht auf NPO zugeschnitten ist, ist die Lektüre insbesondere für den Einstieg oder zur Auffrischung ratsam.

NPO-Manager müssen bei ihrem Wirken freilich die Spezifika ihrer Organisationen beachten; weil das Primärziel im Dritten Sektor nicht die Gewinnerzielung ist und die Finanzierungs- und Mitarbeiterstrukturen sich von denen gewerblich orientierter Unternehmen stark unterscheiden; spezielle Fachliteratur dazu ist angesagt. Inzwischen ist auch schon einiges zu diesem Thema erschienen [vgl. zuletzt S&S 6/2008, S. 43]. Manager in NPO müssen zunehmend – wenn nicht ausschließlich – wirtschaftlich handeln, damit ihre Organisation am Markt bestehen kann. Wichtig ist, dass die individuell herrschenden Anforderungen mit den passenden Instrumenten vereinigt werden und alle relevanten Einflussgrößen Berücksichtigung finden. Hierzu bietet Schwien mit seiner Untersuchung ein nützliches Grundlagenwerk. In einem theoretischen Teil werden zunächst die veränderten Rahmenbedingungen in der Behinderten-, Alten-, Kinder- und Jugendhilfe mit bekannten Aspekten wie dem demografischen Wandel, dem Rückgang der staatlichen Finanzierung, gestiegenen Kundenansprüchen etc. umrissen. In der Folge analysiert der Autor Kontroll- und Transparenzanforderungen an Nonprofits, etwa Corporate Governance und Controlling, und entwickelt eine Definition für das aus der Betriebswirtschaftslehre geborene Konzept der „ganzheitlichen Unternehmensführung“. Im praktischen Teil des Buches werden die Erfahrungen aus der ganzheitlichen Unternehmensführung am Beispiel der stiftung st. franziskus heiligenbronn (S. 87 ff.) aufgearbeitet. Für die Führungskräfte im sich ständig wandelnden Dritten Sektor dürfte das Konzept von großem Interesse sein, um “ihre“ Organisation sicher in die Zukunft zu führen.

Fallstudien und Best practices eignen sich besonders gut dazu, graue Theorien in ihrer Umsetzbarkeit zu vermitteln. Buber und Meyer liefern 23 konkrete Fälle von NPO aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und der Tschechischen Republik, die praktisch aufzeigen, wie kritische Herausforderungen bewältigt werden können – und wo Potenziale zum Scheitern liegen. Die von 39 Autoren bearbeiteten Fallstudien sind in acht Bereiche aufgeteilt, die sich von Strategieentwicklungen über Change- und Personal-Management bis hin zu Projekt- und Qualitätsmanagement und Evaluation, Marketing sowie Fundraising/Finanzierung erstrecken. Jede Fallstudie schließt mit „didaktischen Notizen“ ab, die der Wiederholung der wichtigsten Inhalte dienen; hilfreich sind einführende Kurzzusammenfassungen (S. 11 ff.). Die unterschiedlichen Fälle, die jeweils ein eigenes Problemfeld praktisch aufarbeiten, machen das Buch zu einer nützlichen Ergänzung im Bereich der BWL für Nonprofits.

(Anja Ludwig, Stiftung&Sponsoring, Berlin; Bücher angezeigt in S&S 3/2010, S. 60)

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