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Die Humboldt-Stiftung und ihre Rolle im Dritten Reich

Welche Rolle spielte die von 1925 bis 1945 existierende Alexander von Humboldt-Stiftung in der deutschen Außenpolitik der Weimarer Republik und des Dritten Reichs? Mit dieser Frage hatte sich die heutige Humboldt-Stiftung an den Bonner Historiker und heutigen Forschungsdezernenten der Universität Bonn Holger Impekoven gewandt. Seine jetzt veröffentlichte Studie beschreibt die Verflechtung der damaligen Stiftung mit dem Nationalsozialismus.

Die Studie “Die Alexander von Humboldt-Stiftung und das Ausländerstudium in Deutschland 1925 1945” entstand unter schwierigen Recherchebedingungen, da die meisten Quellen, wie der Autor nachweisen konnte, bei Bombenangriffen in den letzten Kriegsjahren vernichtet worden waren. Erst mit der Wiedervereinigung wurden Archive in Ostdeutschland zugänglich, in denen sich für die Aufarbeitung zentrale Dokumente über die Stiftung, insbesondere ihre Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs, fanden. Zusammen mit Interviews mit ehemaligen Stipendiaten sind sie die Grundlage für ein genaueres Bild der Stiftung und der politischen Ziele jener Zeit. Mit Hilfe der Stipendienvergabe sollten rassisch ausgewählte Eliten aus dem Ausland für das Reich gewonnen und Teil einer geistigen Wehr werden.

Die Studie zeigt, wie die damalige Stiftung ab 1933 mehr und mehr als Instrument zur Verwirklichung der damaligen propagandistischen Ziele und schließlich auch im Zeichen des Rassenwahns der Nazis genutzt wurde, sagte der Generalsekretär der Stiftung Enno Aufderheide zum Erscheinen der Studie in Bonn. Die Erkenntnisse der Arbeit sind eine Mahnung, wachsam zu bleiben gegenüber allen Versuchen, selbst so positive Maßnahmen wie den wissenschaftlichen Austausch zu missbrauchen, so Aufderheide. Wenn es in dem bedrückenden und beschämenden Gesamtbild eine positive Erkenntnis gebe, so sei es die, dass die Nazis das Deutschlandbild vieler Stipendiaten nicht wie erhofft manipulieren konnten, so Aufderheide: Nicht wenige kehrten desillusioniert zurück und waren gewiss nicht zu Freunden der Nazis geworden. Erst nach dem Krieg wurden sie zu Brückenbauern für das demokratische Deutschland.

Die Studie ist im Verlag Bonn University Press erschienen.

(5.12.2012 | Quelle: Humboldt-Stiftung)

Einleitung der Studie als Leseprobe (PDF)

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