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Literaturtipps

Der große Methodenkoffer

Simon, Walter: Der große Methodenkoffer (Gesamtausgabe in 5 Bänden) Offenbach (Gabal) 2010
(1.626 S. insgesamt) 69 €, einzeln je 15 € (ISBN 978-3-86936-159-8)

Der erfolgreiche Manager einer gemeinnützigen Organisation benötigt vielerlei Handwerkszeug. Neben dem grundlegenden Verständnis der speziellen Bedürfnisse einer NPO und der Menschen, die sich deren Zwecken verschrieben haben, zählt auch betriebswirtschaftliches Know-how dazu [vgl. die Rez. in S&S 3/2010, S. 60, bzw. online unter „Organisation&Finanzen>Literaturtipps“]. Besonders soziale Kompetenzen sind in diesem Bereich von großer Bedeutung. Praktisch ist insofern ein ganzes Set mit Nachschlagewerken, die zu den grundlegenden Konzepte, Methoden und Techniken Auskunft geben.
Der nach Auskunft des Covers erste Band (die Zählung in der Einführung variiert) Führung und Zusammenarbeit benennt relevante Tätigkeiten einer Führungskraft und gibt wichtige Informationen zum Umgang mit Mitarbeitern. In einem theoretischen Grundlagenteil wird zunächst in die Führungslehre eingeführt, um ein Verständnis für Begriff und Funktion von Führung zu wecken. Die S. 64 ff. sind Methoden interaktioneller Mitarbeiterführung gewidmet. Von Zielvereinbarungsgesprächen über die Motivation von Mitarbeitern bis hin zu Mitarbeitergesprächen (zur Beurteilung, Einführung, Kritik etc.) erhält der Leser eine Fülle an Handlungsanleitungen. Ab S. 190 ff. geht es um strukturelle Führung, das Kreieren von Visionen und Leitbildern und die Gestaltung der Unternehmenskultur. Hier sind einige nützliche Transfermöglichkeiten für den NPO-Manager und eine anspruchsvolle Aufgabe der Gestaltung von Vision, Mission und Leitbild enthalten. Der Abschnitt „Zusammenarbeit, Kooperation“ (S. 228 ff.) ist für NPO ebenso interessant, wird hier doch häufig in (heterogen zusammengesetzten) Teams gearbeitet – auch das Thema Diversity wird kurz angerissen (S. 249-254). Abschließend (S. 256 ff.) sind Führungsmodelle und -konzepte abgebildet, darunter etwa das (für bürokratische Organisationen entwickelte) Harburger Modell oder das Kontingenzmodell, wonach Führungsqualität abhängig ist von der Persönlichkeit des Managers und seiner Beziehung zu den Mitarbeitern.
Unabdingbarer Bestandteil jedes Führungskonzepts ist eine angemessene Kommunikation, der sich Band 2 widmet. Auch hierzu wurden im Laufe der Zeit einige wichtige Modelle entwickelt (Paul Watzlawick, Transaktionsanalyse, Friedemann Schulz von Thun, Thomas Gordon, systemische Gesprächsführung, NLP, TZI), die im ersten Kapitel des Bandes erläutert werden. Daraufhin lohnt sich der Blick auf Teilaspekte der Kommunikation (S. 102 ff.) wie Techniken des Fragens, Zuhörens, der Körpersprache, und – für Führungskräfte sehr wichtig und häufig unterschätzt- des Feedbacks. Der Teil „Besondere Kommunikationsaspekte“ (S. 144 f.) gibt Tipps zu praktischen Herausforderungen des Manager-Alltags wie zur Rhetorik und zu Präsentations- und Moderationsmethoden sowie Spezialmethoden des Verhandelns, Argumentierens oder Korrespondierens. Vieles lässt sich wiederum gut auf den NPO-Bereich transferieren, etwa die Beschreibung des richtigen Verkaufsgesprächs oder der Korrespondenz im Fundraising.
Band 3 zu den Grundlagen der Arbeitsorganisation ist eigentlich für jeden berufstätigen Menschen nützlich, auch wenn gekonnte Entspannung und optimale Organisation des Tagesablaufs für die arbeitsintensive und vielseitige Managerposition besonders wichtig sein dürfte. Der Band vermittelt hilfreiche Methoden und Techniken zur Organisation des Arbeitsplatzes (Arbeitsplatzgestaltung, Zeitmanagement, Entscheidungstechniken), zu Lern- Gedächtnis- und Kreativitätstechniken (etwa Schnell-Lesen oder logisches Denken) sowie zur Stressbewältigung (Autogenes Training, Meditation, Yoga).
Band 4 Managementtechniken enthält das Rüstzeug für die erfolgreiche Zielsetzung, Planung, Entscheidung, Organisation und Kontrolle – die elementaren Funktionen einer Führungskraft. Dazu werden acht verschiedene Managementtechniken vorgestellt: Zielorientierte, planungs-, entscheidungs-, realisations- und kontrollunterstützende, funktionsintegrierende sowie qualitätsoptimierende. Vieles lässt sich hier für den NPO-Bereich ableiten, etwa die Trendanalyse zur Antizipierung sich verändernder Rahmenbedingungen, Controllingtechniken, Projekt- und Qualitätsmanagement. Im letzten Kapitel (S. 234 ff.) werden strategische Managementthemen aufgegriffen, etwa zu Wettbewerbsstrategien, Change- oder Wissensmanagement.
Kommunikative, persönliche und organisatorische Kompetenzen, das „richtige“ Denken und Fühlen sowie Normen und Werte sind heute im Berufsleben ebenso wichtig wie fachliches Wissen. Wer damit nicht von Natur aus gesegnet ist, kann es sich durchaus antrainieren. Persönlichkeitsentwicklung heißt das Schlüsselwort in Band 5, die heute vielen Workshops und Seminaren den Namen gibt und v.a. eines will: Dem Menschen das Vorankommen in Beruf und Alltag erleichtern. Dazu gibt es einige theoretische Grundlagen, die sich mit den Veranlagungen der Menschen beschäftigen und Konzepte, wie man diese Anlagen durch gezielte Maßnahmen weiterentwickeln kann (S. 162 ff.). Wichtig sind auch Lebens – und Erfolgsstrategien (S. 248 ff.), wozu neben dem Selbstmarketing und persönlichen Finanzmanagement auch der richtig ausgeführte Händedruck im Büro zählen kann (S. 310-311).
Alle Bände sind unabhängig voneinander nutzbar, auch wenn teilweise Verweise vorgenommen werden. Die Kapitel sind häufig versehen mit praktischen Beispielen und Grafiken und am Ende jeweils belegt mit Fachliteratur für weitergehende Nachweise. Die ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis, fachlichem Anspruch und Alltagstauglichkeit macht den Methodenkoffer zugleich zu einer Einführung wie zu einem Nachschlagewerk für Manager insbesondere in größeren Organisationen, oder solche die es werden wollen. Auch wenn die Toolbox nicht auf NPO ausgerichtet ist, lassen sich auch für die Tätigkeit in diesem Bereich wertvolle Hinweise finden.

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