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Schweizer Stiftungsreport: Jede fünfte Stiftung fördert an Hochschulen

Im vergangenen Jahr haben drei Großspenden an Schweizer Hochschulen für Aufsehen gesorgt. Auch gemeinnützige Stiftungen investieren immer mehr in die private Wissenschaftsförderung. Fast jede fünfte Schweizer Stiftung ist heute forschungsfördernd tätig. Insgesamt ist die Anzahl gemeinnütziger Stiftungen in der Schweiz auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Die 376 Neugründungen im vergangenen Jahr sind ein klares Indiz für die ungebrochene Attraktivität des Schweizer Stiftungssektors.

Ende 2012 waren 12.957 gemeinnützige Stiftungen im Handelsregister eingetragen. Damit wurde das Spitzenergebnis aus dem Vorjahr nochmals übertroffen. Die 376 Neugründungen im vergangenen Jahr entsprechen in etwa dem Vorjahreswert. Über die Hälfte der neu gegründeten Stiftungen steht unter Eidgenössischer Stiftungsaufsicht, hat also einen nationalen oder internationalen Zweck. Mit fast 40 Prozent weniger Liquidationen gemeinnütziger Stiftungen ist das Nettowachstum 2012 deutlich höher ausgefallen als im Vorjahr.

Wenige Veränderungen haben sich in der kantonalen Verteilung ergeben. Zürich liegt mit 2.232 gemeinnützigen Stiftungen nach wie vor an der Spitze, gefolgt vom Waadtland mit 1.430 und Bern mit 1.369 Stiftungen. Das bei weitem rasanteste Stiftungswachstum, gemessen an der kantonalen Gesamtzahl, verzeichnet der Kanton Genf, gefolgt von den Kantonen Tessin und St. Gallen. Die niedrigsten Wachstumswerte der zehn größten Stiftungskantone weisen mit 0.6 Prozent das Wallis und mit 0.7 Prozent der Kanton Basel-Stadt aus. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl bleibt Basel-Stadt dennoch unangefochten der stiftungsreichste Kanton. Die Stiftungsdichte liegt dort bei 46,8 Stiftungen auf 10.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Würzburg, der Stadt mit der höchsten Stiftungsdichte in Deutschland, ist dieser Wert sechsmal tiefer.

Private Wissenschaftsförderung im Fokus
Im Schweizer Stiftungssektor gewinnt die private Wissenschaftsförderung zunehmend an Bedeutung. Hatten 1990 gerade mal 427 Stiftungen das Thema der Wissenschaftsförderung im Zweck, war dies 2010 bereits bei über 2.300 Stiftungen der Fall. Die Reaktionen auf die von der UBS kürzlich gegründete und mit 100 Millionen Franken ausgestattete “UBS Foundation of Economics in Society” haben jedoch gezeigt, dass privates Forschungsengagement noch immer kritisch beäugt wird. Dabei hat dieses in der Schweiz seit Entstehung der Universitäten eine lange Tradition. Mit Spannung darf die Schweizer Länderstudie erwartet werden, die das Centre for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel im Rahmen des gesamteuropäischen Forschungsprojekts “European Foundations for Research and Innovation Study” erarbeitet. Erste Zahlen, Hintergründe sowie ein Interview mit Dr. Donald Tillman, Geschäftsführer der ETH Zürich Foundation, finden sich im Schweizer Stiftungsreport 2013.

Kein gesetzlicher Revisionsbedarf
Das Schweizer Stiftungsrecht und die Stiftungsaufsicht müssen nicht revidiert werden. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat in seinem Bericht vom 27. Februar 2013 zur Abschreibung der Motion Luginbühl. Zwar will der Bundesrat die unbestritten attraktiven Rahmenbedingungen des Schweizer Stiftungssektors stärken und die internationalen Entwicklungen sorgfältig verfolgen, er sieht derzeit aber keinen gesetzlichen Handlungsbedarf. Auch zu weiteren Themen, wie der Einführung einer Oberaufsicht, hat der Bundesrat Stellung bezogen und einen Reformbedarf verneint. Erneut auf den Tisch gekommen ist hingegen das brisante Thema der Entschädigung von Stiftungsratsmitgliedern in Form von zwei Interpellationen des Waadtländer Ständerats Luc Recordon, der die Entschädigungsmöglichkeit liberaler gehandhabt und rechtlich geklärt wissen möchte.

(4.6.2013 | Quelle: SwissFoundations)


Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich von Beate Eckhardt, lic. phil. I, EMScom (SwissFoundations, Verband der Schweizer Förderstiftungen), Prof. Dr. Dominique Jakob (Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich) und Prof. Dr. Georg von Schnurbein (Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel) herausgegeben. Er ist die wichtigste Informationsquelle zum Zustand und zur Entwicklung des Schweizer Stiftungssektors und zeigt auf einen Blick alle aktuellen und relevanten Zahlen, Fakten und Trends.

Schweizer Stiftungsreport (PDF)

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