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Hochschulkooperationen - Anforderungen und Erfolgsfaktoren aus Unternehmenssicht

Zahlreiche Best-Practice-Beispiele aus jüngster Zeit belegen, dass Unternehmen durchaus ein großes Interesse daran haben, sich im Hochschulbereich einzubringen und fördernd zu engagieren. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Innovationsministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen zeigt neue Potentiale des Hochschul-Fundraisings auf. Auf der Basis von 48 qualitativen Interviews mit Entscheidungsträgern aus Wissenschaft und Wirtschaft werden die notwendigen Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren einer privaten Hochschulförderung dargestellt. Unternehmens- und Hochschulleitungen berichten über ihre Kooperationserfahrungen.

Sie thematisieren sowohl die Chancen als auch Lösungsansätze zur Bewältigung vorhandener Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit. Hieraus ergeben sich wichtige Hinweise auf ein Optimierungspotential für langfristig angelegte strategische Partnerschaften, die für beide Seiten erhebliche Vorteile bieten können.

HOCHSCHULE ALS ANBIETER VON LEISTUNGEN

Im wachsenden nationalen sowie internationalen Wettbewerb bemühen sich Hochschulen zunehmend, in Ergänzung zu staatlichen Mitteln alternative Finanzierungsquellen zu erschließen. Dabei gehen sie nicht selten auch Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Unternehmen ein, die unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit ermöglichen – von Sponsoring bis hin zu strategischen Partnerschaften. Die Hochschulen stehen vor der Herausforderung, ihr Profil fortlaufend zu schärfen und sich als Anbieter von Leistungen auf dem Bildungs- bzw. Forschungsmarkt zu positionieren. Diese Marktorientierung der Hochschulen sei – so die überwiegende Einschätzung der befragten Unternehmen – durchaus noch steigerungsfähig.

Im Fall von Kooperationen mit der Privatwirtschaft sind vor allem die jeweiligen strategischen Unternehmensziele des Partners zu berücksichtigen, die sich in den Bereichen Imagesteigerung, Rekrutierung, Know-how-Transfer und Kundenbindung bewegen können. Insbesondere beim Sponsoring erwarten Unternehmen von den Hochschulen Kreativität bei der Definition der zu erbringenden (Gegen-)Leistungen. Insofern sei es notwendig, auf Hochschulseite im Vorhinein genau abzuwägen, welche der Gegenleistungen angeboten und auch tatsächlich erbracht werden können, um nachfolgende Konflikte möglichst auszuschließen. Insgesamt ist eine Win-Win-Situation zu schaffen, bei der ein für beide Seiten akzeptabler Interessenausgleich stattfindet und einseitige Abhängigkeiten unbedingt zu vermeiden sind.

UNTERSCHIEDLICHE ORGANISATIONSKULTUREN

Eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit besteht in dem mangelnden Verständnis sowie der teilweise gering ausgeprägten Wertschätzung für die andere Organisationskultur des jeweiligen Kooperationspartners. Während in privatwirtschaftlichen Unternehmen in der Regel klare hierarchische Entscheidungsstrukturen anzutreffen sind, ist die Entscheidungsfindung an Hochschulen durch vielfältige Gremienarbeit geprägt. Für Unternehmen teilweise schwer zu durchschauende und komplizierte Abstimmungsprozesse beeinträchtigen so die Handlungsfähigkeit und schränken die für Kooperationen notwendige Flexibilität stark ein.

Insgesamt wird von Unternehmensseite eine stärkere Dienstleistungsmentalität und Kundenorientierung befürwortet, die nicht allein hochschulinternen Zielgruppen – etwa den Studierenden – zugute kommt, sondern sich auch positiv auf eine Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmen auswirkt. So gewinnt der aus Unternehmensperspektive extrem wichtige Praxisbezug zunehmend auch für Hochschulen an Bedeutung. Teilweise sei allerdings nach wie vor ein hochschulinterner Widerstand bzw. eine grundlegende Skepsis gegenüber Unternehmenskooperationen zu beobachten, die aus der Sorge einer unangemessenen oder gar unkontrollierbaren Einflussnahme auf Hochschulinhalte resultiere. Je nach Ausrichtung der Kooperation müsse es jedoch um eine gleichberechtigte Partnerschaft auf „Augenhöhe“ gehen, die auf der Grundlage vertraglicher Vereinbarungen beiden Seiten Mitspracherechte und gegenseitig Gestaltungsspielräume einräume.

KOOPERATIONSBEREITSCHAFT

Insbesondere bei langfristig angelegten Partnerschaften ist die Definition von gemeinsamen strategischen Zielen unerlässlich, die für beide Seiten verbindlich sind und nicht stillschweigend umdefiniert werden dürfen. Statt auf Autonomie zu beharren, ist die Bereitschaft zu echter Kooperation gefragt, die auch das Treffen gemeinsamer Entscheidungen beinhaltet. Von Unternehmensseite werden zudem Transparenz in der Mittelverwendung sowie eine aktive Informationspolitik gefordert, die eine zentrale Grundlage jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit bilden.

PROFESSIONELLES PROJEKTMANAGEMENT

An die Projektkonzeption werden von Unternehmen hohe Anforderungen gestellt. Sie muss nicht nur klare Auskunft über die von Hochschulseite zu erbringenden Leistungen, die Kompetenzen und Zuständigkeiten geben, sondern auch Angaben bezüglich Zeitplanung, Qualitäts- und Risikomanagement, Erfolgskontrolle sowie vollständige Finanzierungspläne enthalten. Weiterhin sind Kontinuität und eine professionelle Abwicklung des Kooperationsprojekts zu gewährleisten. Unkoordinierte Fundraising-Aktivitäten sind kontraproduktiv. Eine unzureichende Betreuung bzw. Pflege der Partnerschaft – beispielsweise in Form von Desinteresse oder nachlassendem Engagement nach erfolgter Mittelzuwendung – wirkt sich nachteilig auf bestehende und für die Zukunft anvisierte Kooperationen aus.

EINBRINGEN EIGENER RESSOURCEN

Auf Unternehmensseite besteht mitunter der Eindruck, dass sie von Hochschulen nicht als Partner sondern als „Lückenbüßer“ für Einschnitte in die staatliche Finanzierung angesprochen würden. Weder unternehmenseigene Stiftungen noch Unternehmen sind jedoch öffentlichen Drittmittelfonds vergleichbar. Sie haben vielmehr zunehmend ein Interesse an langfristigen strategischen Partnerschaften, in deren Rahmen gemeinsame Ziele realisiert werden. Eine längerfristige Kooperation begünstigt den Aufbau von Vertrauen und bildet damit eine wichtige Basis für eine effektive und ergebnisorientierte Zusammenarbeit.

Voraussetzung für den Erfolg einer derartigen strategischen Partnerschaft ist die beiderseitige Bereitschaft, eigene Ressourcen einzubringen. Von Unternehmensseite wird erwartet, dass die Hochschulen Know-how und nicht zuletzt auch personelle Ressourcen zur Verfügung stellen. Hierzu gehören nicht allein die Fachkompetenzen der Wissenschaftler/innen, sondern auch entscheidungsbefugte Ansprechpersonen, die für die Realisierung der Kooperationsziele einstehen. Allerdings wird auf Hochschulseite vielfach der Arbeitsaufwand für die Koordinierung und Umsetzung der Einzelaktivitäten unterschätzt und Fundraising als zusätzliche, „nebenbei“ zu leistende Tätigkeit betrachtet. Kommen mangelnde Fundraising-Erfahrung bzw. (noch) nicht vorhandene -kompetenz hinzu, besteht leicht die Gefahr, dass Kooperationsprojekte scheitern. Auch im Hochschulbereich hat sich die Einrichtung von professionellen Stellen für Fundraising als zielführend herausgestellt, wie die Best-Practice-Beispiele erfolgreicher Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft belegen.

KURZ & KNAPP

Zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist das Umdenken auf Seiten der Hochschulen, sich als Anbieter von Leistungen und damit als Kooperationspartner „auf Augenhöhe“ zu präsentieren. Gleichzeitig gilt es, ein Verständnis für die jeweils unterschiedlichen Organisationskulturen zu entwickeln. Neben Fachkompetenz und professionellem Projektmanagement ist vor allem eine zielgruppenorientierte Kommunikation erforderlich, die auch die Bereitschaft einschließt, sich auf die Interessen des Unternehmenspartners einzulassen. Mittel- und langfristig werden diejenigen Hochschulen sich im Wettbewerb um potentielle Förderer aus der Privatwirtschaft erfolgreich positionieren, die Fundraising als Vorinvestition begreifen und im Rahmen einer Gesamtstrategie als wesentliches Element der Hochschulentwicklung nachhaltig verankern.

Dr. Friederike Preiß war Projektleiterin der Studie „Hochschul-Fundraising und Gender Diversity Management“ im Auftrag des Innovationsministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen. Kontakt: friederike.preiss@gmx.de

ZUM THEMA

Preiß, Friederike: Hochschul-Fundraising und Gender Diversity Management – Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Norderstedt 2008

Haibach, Marita: Hochschul-Fundraising – Ein Handbuch für die Praxis, Frankfurt/Main 2008

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: Innovationsfaktor Kooperation. Bericht des Stifterverbandes zur Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen, Essen 2007

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