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Fundraising für Hochschulen

Hochschulfundraising galt lange als sperriges Thema mit unausgeschöpftem Potenzial. In Zeiten leerer Kassen kommt dem Fundraising, insbesondere Großspendern, zentrale Bedeutung zu.

Talentförderung und Bildungsfinanzierung sind Themen, die inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Seit der Einführung des Deutschlandstipendiums nutzen immer mehr Hochschulen die Chancen einer Förderung durch private Geldgeber.

Das Matching von staatlichen und privaten Fördermitteln, wird als erster Schritt im Fundraising gesehen. Gleichzeitig wächst die Einsicht, dass dauerhafte Förder-Erfolge nur durch systematische und strategisch angelegte Fundraising-Aktivitäten fruchten können. Die Evangelische Akademie Bad Boll und deren Tagungsteam befasste sich mit dem Fundraising für Hochschulen und der Einführung des Deutschlandstipendiums. Zahlreiche Workshops ergänzten die Vorträge.

Deutschlandstipendium
Die bisherigen Erfahrungen und Ergebnisse der Hochschulen mit dem Deutschlandstipendium präsentierte Dr. Hans Georg Helmstädter, Präsident der FH Brandenburg. Indem Hochschulen ihr Fundraising mit Unterstützung des
Bundes professionalisieren und international wettbewerbsfähiger gestalten, stärken sie ihre regionale Vernetzung, schärfen ihr Profil und profilieren sich im Wettbewerb um exzellente Studierende. Nachdem im Sommersemester 2011 das Deutschlandstipendium eingeführt wurde, zeigen sich erste Erfolge: Im September 2011 nahmen etwa drei Viertel der Hochschulen daran teil. Rund die Hälfte der teilnehmenden Hochschulen haben ihre Quote für 2011 ausgeschöpft und seit Beginn des Sommersemesters 2011 wurden rund 10 Mio. Euro private Mittel mobilisiert. Die Hochschulen haben dabei Fördermittel für 5.551 Stipendien eingeworben.

Eine Online-Umfrage der Stiftung Universität Hildesheim zum Wintersemester 2011/12 zum Deutschlandstipendium ergab, dass dessen Einführung viele neue Möglichkeiten für Hochschulen in der Partnerschaft zu Unternehmen und Stiftungen mit sich brachte. 71 Prozent der Hochschulen beteiligen sich seit dem Sommersemester 2011 am Programm. Als Grund dafür geben 30 Prozent der Hochschule an, dass sie darin einen signifikanten Vorteil für die Unterstützung begabter Studierender, die mögliche Verbesserung der Studienbedingungen und der Studienfinanzierung sehen. 27 Prozent sehen darin den Grundstock zum Aufbau eines Netzwerkes zur Wirtschaft, zur Bürgergesellschaft und zu Stiftungen, betont Michael Beier, Leiter des Hochschulmarketings der Stiftung Universität Hildesheim.

Förderer
Die Erfahrungen aus Sicht der Förderer gab Dr. Ingo Dahm, International Academic Relations, der Deutschen Telekom AG wider. Die Deutsche Telekom AG ist derzeit mit 360 Deutschlandstipendien der größte Förderer. Auf seinem „Wunschzettel“ an Kooperations-Hochschulen standen: Sie sollten den Fokus auf Kundenbedürfnisse und Key Account Management legen, sowie eine Ansprechperson für Unternehmensvertreter, die Wissen, Geduld und Glaube an ein „organisches Wachstum“ einer guten Beziehung in sich akkumuliert, bereitstellen. Zudem ist ein echtes Interesse am Unternehmen statt an einer rein transaktionalen Beziehung wichtig. Eine hohe Umsetzungsgeschwindigkeit gilt als Schlüsselkompetenz und eine enge Verzahnung von Lehre und Forschung mit der Unternehmenspraxis sowie an innovativen
Kooperationsthemen sind entscheidend.

Best Practice Beispiele
Dr. Alexander Tiefenbacher vom DSZ-Deutsches Stiftungszentrum im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, nannte einige Erfolgsfaktoren der StudienStiftungSaar, der TU Dresden, der Universität Regensburg und der Universität Münster. Die hohe Transparenz und Kommunikation über unterschiedliche Medien, der Einsatz der Hochschulleitung, innovative Formate wie Stipendienfonds, Studierendeninitiativen, der Fokus auf speziellen Zielgruppen wie Alumni sowie der Einbezug von bereits bestehenden Förderern als Testimonials gilt als zukunftsweisend. Nicht zuletzt das Angebot eines gestuften Leistungsspektrums, je nach Fördervolumen, und die Möglichkeit zur Unterstützung durch geringe Förderbeträge sind erfolgsversprechend.
Aus der Innensicht der TUM-Universitätsstiftung, München nannte Dr. Frank Frieß einige maßgebliche Erfolgfaktoren ihrer Fundraising-Strategie: Endowment vs. Projektförderung sowie Stiftungslehrstühle und Deutschlandstipendien. Der Fokus wird auf Großspendenfundraising aber auch auf Spenderentwicklung gelegt. Die Einbindung der Förderer in die Hochschulentwicklung durch innovative „Produkte“, Projekte oder Methoden ist wichtig. Weiterhin entscheidend sind die Professionalisierung des Fundraisings durch Prozessorganisation und Qualitätsmanagement, Relationship Management, also Spenderbindung und Spenderentwicklung.

Großspender
„Die Potenziale für Großspenden in Deutschland sind längst noch nicht ausgeschöpft“, stellt Dr. Marita Haibach fest. Die Hürden für ein erfolgreiches Fundraising nennt sie ebenfalls: Es finden kaum systematische Aktivitäten zur Gewinnung von Großspender/innen statt, es ist kein überzeugender „Case for Support“ vorhanden und das Fehlen geeigneter Förderprojekte. Sie bemängelt, wie zahlreiche andere Redner, die unzureichende Personalausstattung, wenig Engagement der Führung und die Besetzung der Gremien mit Menschen ohne „Fundraising-Relevanz bzw. Interesse“. Außerdem ist die Fundraising-Software nicht „Großspender-tauglich“ . Transparenz ist noch immer ein Fremdwort für viele Organisationen – und sie fordert eine Planungs und Machbarkeitsstudie mit einer Capital Campaign.

Chancen, Hürden, Zukunftsperspektiven des Hochschulfundraising
Das Hochschulfundraising wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ausdifferenzieren wie wir es im gemeinnützigen Sektor von Hilfs- und Umweltorganisationen sehen. Yvonne Ayoub, Leiterin der Stabsstelle Universitätsförderung der Universität zu Köln, bescheinigt eine Professionalisierung des Fundraising auf unterem bis mittleren Niveau und nennt die unrealistischen Vorstellungen der Hochschulleitung als Grund. Sie bemängelt, dass weder in Personal noch in Sachmittel investiert wird, weder realistische Ziele noch die dafür benötigte Zeit zur Verfügung gestellt wird. Hinzu kommt, solange Hochschulleitungen nicht bereit sind, ihre Bildungseinrichtungen wie Marken mit Alleinstellungsmerkmal zur Imagebildung zu führen, kann auch das Fundraising nicht optimal entwickelt werden.

Erfolgreiches Fundraising wird durch den Wettbewerb gezwungen, systematisch, nachhaltig und gewinnorientiert zu sein, um somit den Nutzen für Unternehmen und Unternehmenspersönlichkeiten ganz konkreter Projekte und Kooperationen zu bieten. Netzwerken, Face to Face, also der Kontakt auf Augenhöhe und die Bedeutung der Alumni und Emeriti mit ehrenamtlichem Engagement, hat sich in zahlreichen Vorträgen herauskristallisiert.

(16/04/12; Quelle: Christina Körner, Rheinzabern)

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