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Stiftungen setzen sich für Qualitätsjournalismus ein

26 Stiftungen und Vereine haben am 22. September 2015 einen Aufruf zum Engagement von Stiftungen für Qualitätsjournalismus verabschiedet.

Mit dem Papier wollen die Initiatoren die Debatte um Qualitätsjournalismus und Meinungsvielfalt weiter voranbringen und andere Stiftungen motivieren, sich zu beteiligen. Stiftung&Sponsoring dokumentiert den Aufruf des Expertenkreises Stiftungen & Qualitätsjournalismus im Bundesverband Deutscher Stiftungen im Wortlaut:

Die Digitalisierung verändert die Medienwelt fundamental. Neue Dynamiken bestimmen, wie Öffentlichkeit entsteht. Die klassischen Rollen von Produzent und Rezipient lösen sich auf. Das Web bietet Nutzern heute vielfältige Möglichkeiten mit Journalisten zu interagieren, sich an der Produktion journalistischer Erzeugnisse mit eigenem Input zu beteiligen und in der Öffentlichkeit zu profilieren. Mit den neuen Chancen im Internet korrespondiert die Erosion bisheriger Geschäfts- und Vertriebsmodelle für journalistische Angebote. Alternative Erlösquellen lassen sich nur schwer erschließen. Die Ressourcen für Qualitätsjournalismus werden knapper. Diese Entwicklung geht mit einer Debatte über den Deutungsanspruch und die Informationsqualität journalistischer Angebote einher.

Demokratie funktioniert nicht ohne eine informierte Öffentlichkeit. Journalistinnen und Journalisten klären auf, sie informieren, ordnen ein und tragen durch ihre Arbeit zur Meinungsbildung und zur Kontrolle der Entscheider in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei. Die Anforderungen an den Qualitätsjournalismus wachsen.

Die Sicht der Stiftungen

Vertreterinnen und Vertreter von Stiftungen bringen das Engagement von Stiftungen für Qualitätsjournalismus voran.

Meinungsvielfalt zu erhalten und zu ermöglichen, liegt im Interesse aller Stiftungen. Sie verstehen sich als Innovations-Treiber, als Mitgestalter des Gemeinwohls. Durch ihre Unabhängigkeit zählen Stiftungen zu jenen gesellschaftlichen Akteuren, die sich für einen kritischen, sorgfältig recherchierten Journalismus engagieren können.

Die 21.000 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland räumen dem Journalismus innerhalb der Zivilgesellschaft eine große Bedeutung ein. Die unterzeichnenden Stiftungen sorgen sich, dass die Qualität der Angebote sowie die Medienvielfalt abnehmen, insbesondere im Lokalen und Regionalen.

Es kann nicht darum gehen, erodierende Geschäftsmodelle zu subventionieren. Das ist nicht die Aufgabe von Stiftungen, dafür würden ihre Finanzmittel auch bei weitem nicht reichen und andere Marktteilnehmer würden dies als unzulässige Einmischung kritisieren. Zudem sind Stiftungen mit ihren finanziellen Förderungen nicht frei, sondern müssen Verwendungen stets mit ihrem jeweiligen Stiftungszweck legitimieren, auch
gegenüber den Aufsichtsbehörden.

Als Akteure der Zivilgesellschaft wollen sich Stiftungen ihrer Verantwortung stellen und dazu beitragen, den gegenwärtigen Transformationsprozess der Medien in geeigneter Weise zu begleiten.

So können sich Stiftungen für Qualitätsjournalismus engagieren

Noch engagiert sich nur ein kleiner Teil der deutschen Stiftungen explizit für die Stärkung des Qualitätsjournalismus. Es wäre jedoch schön, wenn weitere hinzukämen.

Unsere Vorschläge zum Engagement von Stiftungen:

  • Journalisten- und Journalismusförderung: Notwendig ist eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten für freie und festangestellte Journalisten, zum Beispiel Recherchestipendien, Austauschprogramme oder Preise für Qualitätsjournalismus. Stiftungen sollten bei der Förderung der Aus- und Weiterbildung von Journalisten zukunftsorientierte Techniken in den Vordergrund stellen. Notwendig ist allerdings sowohl die Journalisten-, wie auch die Journalismusförderung. Stiftungen können Experimente fördern, die strukturelle Innovationen in Gang setzen. Strukturelle Innovationen können zum Beispiel in journalistischen Startups erprobt werden.

  • Journalistische Glaubwürdigkeit: Die Möglichkeiten zu Partizipation und Transparenz waren im Journalismus noch nie so gut wie heute. Redaktionen und ihr Publikum kommunizieren in Echtzeit und auf Augenhöhe miteinander. Das Publikum ernst zu nehmen und teilhaben zu lassen, wirkt dem Vertrauensverlust entgegen. Recherchen transparent zu machen, Quellen offenzulegen und die eigene Berichterstattung kritisch zu reflektieren, schafft ebenfalls Vertrauen. Stiftungen können den Dialog zwischen Medienmachern und -nutzern befördern, Best-Practice-Ansätze unterstützen und Recherchen per Crowdsourcing ermöglichen. Sie können Projekte stärken, die nicht nur journalistische Ergebnisse, sondern auch Datensammlungen der Allgemeinheit zur weiteren Nutzung zur Verfügung stellen.

  • Vertrauensmangel adressieren und Wertschätzung erhöhen: Es mehren sich die Anzeichen, dass Bürgerinnen und Bürger journalistischen Angeboten pauschal misstrauen („Lügenpresse“). Stiftungen können Initiativen entwickeln oder unterstützen, die die journalistische Praxis kritisch begleiten und/oder die Medienkompetenz von Bürgerinnen und Bürgern stärken, insbesondere auch die von Kindern und Jugendlichen. Stiftungen können sich für mehr Transparenz im Journalismus selbst einsetzen. Ziel sollte sein, dass dieser seine Glaubwürdigkeit und Wertschätzung in der Öffentlichkeit erneuern kann.

  • Forschung und Bedarfsanalyse: Die Umbrüche im Journalismus sind gravierend und dauern weiter an. Um die Bedarfe sinnvoll einschätzen zu können, braucht es systematische Analysen. Stiftungen können die Forschung über den Zustand und die sich wandelnden Bedingungen für Qualitätsjournalismus vorantreiben und unterstützen.

Wir, die Verfasser dieser Erklärung, laden die interessierte Öffentlichkeit und Stiftungen ein, sich am Dialog zu beteiligen. Wir möchten zudem gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den Branchenverbänden der Verlage und der Journalisten, Vertreterinnen und Vertretern der Medienpolitik und Kommunikationswissenschaft jene Felder identifizieren, in denen erhöhter Handlungsdruck besteht, um den Qualitätsjournalismus in Deutschland zu sichern.

Die Unterzeichner
1. BMW-Stiftung Herbert Quandt
2. Comundialis?Stiftung
3. Daimler und Benz Stiftung
4. Deutsche Telekom Stiftung
5. Evangelische Stiftung Schönau
6. Friedrich-Ebert-Stiftung
7. Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik
8. Joachim Herz Stiftung
9. Karl-Gerold-Stiftung
10. Klosterkammer Hannover
11. Konrad-Adenauer-Stiftung
12. Medienstiftung der Sparkasse Leipzig
13. Otto Brenner Stiftung
14. Robert Bosch Stiftung
15. Rudolf Augstein Stiftung
16. Schöpflin Stiftung
17. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
18. Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw)
19. LfM-Stiftung Vielfalt und Partizipation
20. taz Panter Stiftung
21. Vodafone Stiftung Deutschland
22. VolkswagenStiftung
23. WWF Deutschland
24. ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
sowie
25. GLS Treuhand e.V.
26. Investigate! e.V.

(22.9.2015 | Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen)

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