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Round Table CSR: Social statt Big Business

Finanz-, Wirtschafts- und Eurokrise befeuern die Diskussion über einen Paradigmenwechsel unseres Wirtschaftssystems. Eine eindimensionale Orientierung an ökonomischen Zielen wird den Anforderungen an ein nachhaltige Entwicklung nicht gerecht. Doch es gibt sie schon – die Alternativen. Unternehmen, die sozialen Profit erwirtschaften zum Wohle vieler. Beim neunten „Round Table CSR“ der Hamburger Kommunikationsberatung Laurich & Kollegen diskutierten rund 25 Social Business-Vorreiter, Unternehmen, Beratungsfirmen und Medien in der Hamburger Handelskammer über die Erwartungen an soziales Unternehmertum.

"Round Table CSR" zu Social Entrepreneurship in der Handelskammer Hamburg mit v.l.n.r.: Alexander Weber (Laurich & Kollegen), Benjamin Adrion (Viva con Agua), Angela Schmidt (Dialog im Dunkeln), Prof. Dr. Markus Beckmann (Leuphana Universit)

Der Dialog im Dunkeln gehört zu den Aushängeschildern der deutschen Social Business-Landschaft, ein Ausstellungsformat, in dem Sehende von Nicht-Sehenden lernen können. „Die erwirtschafteten Gewinne investieren wir zu 100 % in den Erhalt und in die Weiterentwicklung des Konzeptes“, sagt Angela Schmidt, Geschäftsführerin des Dialog im Dunkeln. Die Grundfinanzierung erfolgt durch die Eintrittsgelder, eine 2. Säule ist das „Dinner in the Dark“ und seit vier Jahren gibt es den wachsenden Unternehmensbereich „Seminare und Trainings im Dunkeln“, durchgeführt von blinden Business-Trainern. Der Dialog im Dunkeln ist inzwischen in 30 Ländern rund um den Globus erlebbar (160 Ausstellungen) – weitere sind in Planung. Die internationale Expansion betreibt Dr. Andreas Heinecke, Gründer und Gesellschafter von „Dialogue Social Enterprise“. Zwölf Ausstellungen des Franchisemodells gibt es mittlerweile weltweit, mit Niederlassungen von Hamburg bis Hongkong. Finanziert wird die Expansion durch ein Franchisemodell mit Beraterhonoraren und Lizenzgebühren.

Noch ein junger Player im Social Business ist die 2005 gegründete Trinkwasserinitiative Viva con Agua de Sankt Pauli, die Wasserprojekte weltweit finanziert und mittels strategischer Partner – insbesondere der Welthungerhilfe – umsetzt. „Um langfristig als Wasser-Marke bestehen zu können, ist Weiterentwicklung und Professionalisierung notwendig“, so Benjamin Adrion, Initiator von Viva con Agua. „Daher stellen wir dem Verein mit einer Stiftung und GmbH starke Partner an die Seite, die eine wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit von Viva con Agua sicherstellen sollen.“ Jüngst ist Viva con Agua mit eigenem Quellwasser in den Wettbewerb um Marktanteile eingestiegen. Der Großteil der Gewinne aus dem Verkauf des Flaschenwassers fließt in das Investment langfristiger Trinkwasserprojekte.

Die Wissenschaft nennt Social Entrepreneure wie Andreas Heinecke und Benjamin Adrion gerne „Veränderungsagenten“ und widmet dem Thema Social Business zunehmend Beachtung. Als erste deutsche staatliche Universität hat die Leuphana Universität Lüneburg eine Juniorprofessur für Social Entrepreneurship für dieses noch junge Forschungs- und Lehrgebiet besetzt, die Prof. Dr. Markus Beckmann seit November bekleidet. „Insbesondere auch für Unternehmen stecken erhebliche Potenziale in Social Business und Entrepreneurship, belegen diese Beispiele doch innovative Wege nachhaltigen Wirtschaftens“, erklärte Beckmann beim Round Table CSR. „Besonderes Augenmerk legen wir in Lüneburg auf die Förderung studentischer Social Entrepreneurship-Projekte.“ Eine wichtige Rolle spielt dabei der sogenannte „Social Change Hub“ – eine Plattform, die Studierende und Sozialunternehmer zusammenbringen soll.

Fokus von Laurich & Kollegen ist die strategische Kommunikationsberatung sowohl mittelständischer Unternehmen als auch größerer Konzerneinheiten sowie städtischer und kommunaler Einrichtungen. Thematisch liegen die Schwerpunkte der Beratung neben Wirtschaft & Dienstleistungen in den Bereichen Technologie & Healthcare, Regionalmarketing & Tourismus, Sport & Sponsoring sowie Corporate (Social) Responsibility. (27/05/10; Quelle: Alexander Weber, Laurich & Kollegen)

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