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Glück, Die verkaufte Verantwortung

Rezension von Thomas Scholl / Amazon

Nach seinem "Spendenkomplex" legt Glück ein weiteres Buch zum Thema Wohltätigkeit vor, und zwar zu einem Aspekt, dem dort bereits ein Kapitel gewidmet war - dem Fundraising. Durch diese Fokussierung präpariert er diesen Teilbereich unserer Spendenkultur heraus und verschafft seinen Lesern sehr tiefgehende und nachdenklich machende Einsichten. Das Buch zeigt materialreich auf, wie das Fundraising - vermeintlich im Dienst einer guten Sache - zu einem lukrativen Wirtschaftszweig geworden ist. Gnadenlos gewinnorientiert, gewieft im Einsatz modernster Methoden von Akquise und Kundenstammverwaltung.

Besonders scharf kritisiert werden die erheblichen Reibungsverluste im Apparat und der zunehmende Einsatz der Spaß- und Eventmasche, die den am Ende der Verwertungskette stehenden Spendenempfängern wie eine Verhöhnung ihrer Misere vorkommen muss. Bei letztgenannten kommt zudem weniger an, wenn die Fundraiser zur Finanzierung ihrer Geldsammelmaschine und zwecks Eigenversorgung mit in den Spendentopf langen.

Glück streicht überdies als moralische Dimension heraus, wie die Fundraiser das Wohltätigkeitsschema der Reichen den Ärmeren oktroyieren und wie sie beide Parteien im Transfer von Hilfsleistungen instrumentalisieren und stereotypisieren.

Das faktenreiche Buch fördert keine Geheimnisse zutage, beruht es doch auf einer soliden Sammlung an Zitaten und Verweisen (die nebenbei belegen, dass der Autor sich nichts aus den Fingern saugt). Glück stellt diese Fakten mit ausgeprägter Urteilskraft zusammen und zieht präzise wie formulierungsstark stringente Schlußfolgerungen. Damit führt er sein Publikum zu einer Reihe überraschender Einblicke und Erkenntnisse.

Er wird dabei nicht moralisierend, davor bewahrt ihn schon die griffige, stellenweise bissige Sprache. Auch wenn der Ton öfter polemisch wirkt, so ist er dies doch nicht als Selbstzweck. Das Ziel ist nicht Manipulation – diese gehört gerade zu den angeprangerten Methoden vieler Fundraiser. Vielmehr will Glück mit seinem rundum gelungenen, engagierten Buch das Verhältnis Spender-Spendenempfänger zu einem beiderseitig förderlichen und nutzbringenden mitgestalten. (Dezember 2009)


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