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Stiftungsporträts

Zum Dinner mit Stephen - oder Ehrenamt macht glücklich

Die Geschichte der Bürgerstiftung Baden-Baden

Von Rechtsanwältin Susanne Pfleiderer

Im Herbst 2001, also vor fast 10 Jahren, gab es aus einem Arbeitskreis der Lokalen Agenda 21 zwei Initiatorinnen, die den Nachhaltigkeitsgedanken dieses Konzeptes durch Errichtung einer Bürgerstiftung in Baden-Baden verankern wollten. Natürlich brauchte man zuerst das erforderliche Gründungskapital und so sprach man auf der Suche nach finanziellen Ressourcen unter anderem bei den lokalen Kreditinstituten vor.

Natürlich brauchte man zuerst das erforderliche Gründungskapital und so sprach man auf der Suche nach finanziellen Ressourcen unter anderem bei den lokalen Kreditinstituten vor. Aufgrund meiner damaligen Funktion als Banksyndikus, erhielt ich die Chance, die Gründungsphase juristisch zu begleiten.

Der Stiftungsgedanke war damals Neuland für mich, aber ich fand mich in der Idee, für meine Heimatstadt etwas Neues zu initiieren, bürgerschaftliches Engagement zu praktizieren und anderen näher zu bringen, schnell wieder. Stiftungsarbeit ist seitdem Teil meines persönlichen und beruflichen Engagements. Nach wie vor habe ich die Gründungsphase als etwas Besonderes in Erinnerung und denke noch heute gerne an das Gemeinschaftsgefühl und die Kreativität dieser “Arbeitsgruppe Bürgerstiftung Baden-Baden” zurück.

Nach der offiziellen Anerkennung der Bürgerstiftung Baden-Baden im Juni 2002 mit einem Grundstockvermögen von 50.000 €, das von Bürgern, Unternehmen, und den Regionalbanken gestiftet worden war, ging es an die eigentliche Stiftungsarbeit. Die Mindestkapitalausstattung ließ keine großen Sprünge zu.

Die zentrale Frage war: Wie funktioniert effiziente Stiftungsarbeit mit wenig Geld und wie überzeugt eine neue Organisation von ihrer Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit?

Schnell war klar, dass wir als junge Stiftung auf Austausch, auf Transfer von Wissen und Erfahrungen und auf Kooperation mit starken Partnern angewiesen waren. Neben dem engen Kontakt zur Initiative Bürgerstiftungen, die in erster Linie den Gremiumsmitgliedern mit ihrem Know-How zur Seite stand, fehlte uns eine schillernde Stifterpersönlichkeit, die den Funken zu den Baden-Badenern Bürgern überspringen ließ. Ein Role-Model für soziale Verantwortung und aktives bürgerschaftliches Engagement.

Wie zum Beispiel Uta von Naumburg, eine der 12 Stifterfiguren des Naumburger Doms, die es als Einzige zu ikonenhafter Bekanntheit gebracht hat und mit der schon Umberto Eco gerne gespeist hätte. Ein Dinner mit Uta war definitiv nicht zu machen, aber wir hatten Glück.

Unterstützt von der Initiative Bürgerstiftungen und dem Arbeitskreis Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, besuchte uns im März 2004 der Präsident der Arizona Community Foundation, Stephen D. Mittenthal, in Baden-Baden. Beeindruckt und angesteckt von diesem heiteren Grandseigneur der Stiftungswelt verbrachten wir mit ca. 25 geladenen Gästen einen wunderbaren Abend im Brenners, wie die Badener das Brenners Park-Hotel & Spa liebevoll bezeichnen und – lernten. Was eine Stiftung ausmacht und was sie bewirken kann, dass Gutes tun immer einen persönlichen Gewinn bedeutet und dass es die Aufgabe einer Bürgerstiftung ist, die Lebensqualität im lokalen Lebensraum mit privaten Mitteln zu verbessern.

Foto: Bürgerstiftung Baden-Baden

Wie funktioniert das? Stephen D. Mittenthal gab uns in seiner Dinnerspeach Folgendes an die Hand: “Eine Zukunft, die von einer Bürgerstiftung mitgestaltet wird, ist eine Zukunft, die geschaffen wird durch die Summe der Kontakte, Beziehungen, Entscheidungen und Investitionen von Bürgerinnen und Bürgern zum Wohle ihrer Heimat.”

Zurückschauend ist es genau diese Abfolge von Aktionen und Reaktionen, die für den erfolgreichen Aufbau der Bürgerstiftung Baden-Baden verantwortlich zeichnet. Ich will Ihnen hierfür einige Beispiele nennen:

• Der Kontakt zu einem namhaften Kunstsammler und Mäzen führte dazu, dass unter dem Dach der Bürgerstiftung Baden-Baden eine Kinderkunstwerkstatt gegründet wurde. In der Geschäftsstelle entstand ein Kultur- und Bildungsort für Schulkinder, in dem museumspädagogische Kurse veranstaltet wurden. Dies bescherte der neuen Bürgerstiftung enorme Publizität und die Anfangsfinanzierung ihrer Geschäftsstelle.

• Kontakte zur Jugendstiftung Baden-Württemberg ermöglichten die Er-richtung der ersten Treuhandstiftung “Jugendfonds Baden-Baden” mithilfe von Landesmitteln. Für die regionale Jugendförderung waren Fördermittel in Höhe von 20.000 € ausgeschrieben, die unter der Voraussetzung für den angegebenen Zweck bewilligt wurden, dass der gleiche Betrag auch aus privater Hand aufgebracht wird. Der Löwenanteil wurde von zwei anderen Baden-Badener Stiftungen gegeben, mit denen viele Kooperationsprojekte im Bereich Kinder-und Jugendförderung folgten. In der örtlichen Sparkasse wurde eine Art Barometer aufgestellt, das den aktuellen Spendenstand anzeigte. Dies sorgte für Empathie und viele weitere Spenden.

• Kontakte zu den großen Hotels in Baden-Baden bescherten uns die Möglichkeit, von Anfang an einen Neujahrsempfang zu geben und in einem besonders schönen Rahmen unsere Arbeit präsentieren sowie jedes Jahr eine andere Fördereinrichtung einladen zu können. Mittlerweile ist dieser Neujahrsempfang der Bürgerstiftung ein eingeführtes, gut besuchtes Event in Baden-Baden, bei dem sich Stifter und Förderer, Vertreter der Stadt und Interessierte treffen und austauschen.

• Ein Kontakt zu einem ortsansässigen Rechtsanwalt, der als Testamentsvollstrecker eine Stiftung von Todes wegen zu errichten hatte, führte dazu, dass diese als unselbständige Treuhandstiftung der Bürgerstiftung Baden-Baden zugewendet wurde. Damit wurden nicht nur erhebliche Mittel übertragen, sondern es wurde auch mit der spezifischen Förderung von Senioren ein völlig neuer Stiftungszweck verankert, der eine zusätzliche Ausrichtung und neue Projektpartner generierte und uns die Möglichkeit gab, einen anderen Kreis von Unterstützern anzusprechen.

• Kontakte zur Caritas initiierten die gemeinsame Einrichtung einer Ehrenamtsbörse, die Freiwillige und Einrichtungen zusammenbringt, in Baden-Baden einen Marktplatz des sozialen Engagements geschaffen hat und mittlerweile über ein enormes Netzwerk zu verschiedensten Organisationen verfügt.

Foto: Bürgerstiftung Baden-Baden

Es sind also im Wesentlichen die menschlichen Verbindungen, die den Erfolg einer Bürgerstiftung ausmachen. Eine junge Bürgerstiftung braucht deshalb starke Akteure und einflussreiche Partner, denen die Menschen, die in ihrer Heimatstadt gemeinnützig tätig sein möchten, auch vertrauen. Man könnte denken, Baden-Baden sei eine Stadt, in der Milch und Honig fließen und gerade hier ginge der Aufbau einer Bürgerstiftung mühelos vonstatten. Es mag überraschen, dass dort, wo viele Ressourcen und bereits eine blühende Stiftungslandschaft bestehen, besonders hohe Ansprüche an jeden neuen Player gestellt werden.

Nach fast 10 Jahren Bürgerstiftung Baden-Baden kann ich sagen, dass Stephen D. Mittenthal Recht hatte. Kontakte, Beziehungen und das daraus entstehende Netzwerk sind der Schlüssel zum Aufbau und zum Erfolg einer Non-Profit-Organisation, ebenso wie eine Zukunftsvision und die persönliche Bereitschaft der Akteure, daran beharrlich weiterzuarbeiten.

Mein persönliches Fazit: Ich würde es immer wieder tun, weil es etwas Sinnvolles ist und es mehr Erfolgserlebnisse gibt als Rückschläge und ich eine Vielzahl interessanter und hochmotivierter Menschen aus allen Bereichen unserer Zivilgesellschaft kennengelernt habe.

Tipp: Im Frühjahr 2012 findet der Arbeitskreis Bürgerstiftungen in Baden-Baden statt und wir freuen uns, Gastgeber für die Bürgerstiftungsfamilie zu sein.

(01/09/2011/ Quelle: Rechtsanwältin Susanne Pfleiderer, Stangier Regel Borchard Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Baden-Baden)

Bürgerstiftung Baden-Baden

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