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Neue Siemens Stiftung

Seit Anfang 2009 ist das deutsche Stiftungswesen um einen bedeutenden Neuzugang reicher: Im September 2008 gründete die Siemens AG die Siemens Stiftung, nahm schrittweise ihre Arbeit auf und präsentiert sich nun seit dem 1.10.2009 in ihrer Gesamtstruktur und inhaltlichen Ausrichtung. Am Abend des 16.11. stellten der Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Heimbach sowie Ulrike Susanne Wahl, geschäftsführender Vorstand, in einem Pressegespräch im Magnus-Haus in Berlin erstmals Zielsetzung, inhaltliche Ausrichtungen und Projekte der Stiftung vor.

Foto: Siemens Stiftung

Mit einem Kapital von 390 Mio. € ist die Siemens Stiftung derzeit Deutschlands größte Unternehmensstiftung [definiert als aus dem Unternehmen heraus gegründete Stiftung, vgl. Weger, Hans-Dieter: Unternehmen als Stifter, S&S RS 4/2000]. Die Stiftung mit Sitz in München versteht sich als rein operative Stiftung und setzt in ihren deutschlandweiten und internationalen Einsatzgebieten insbesondere auf Kooperation mit Organisationen aller Sektoren. Sie beschäftigt derzeit 32 Mitarbeiter und ist institutionell unabhängig von der Siemens AG und ihren sechs Unternehmensstiftungen im Ausland sowie den verschiedenen Stiftungen von Mitgliedern der Familie Siemens.

In der Tradition des Industriellen Werner von Siemens, der sich schon vor der Einführung sozial verantwortlichen Unternehmertums durch Bismarck für das Wohl seiner Mitarbeiter einsetzte, will die Stiftung sich deutschlandweit und international engagieren und aktiv und nachhaltig globale gesellschaftliche und soziale Herausforderungen angehen. Die Stiftungsarbeit fokussiert drei Handlungsfelder, die sich gegenseitig ergänzen: Im Bereich Bildung & Soziales liegt der Fokus auf der technisch-naturwissenschaftlichen Bildung von Kindern im Vorschulalter sowie auf integrativen Bildungsangeboten in Deutschland und in Afrika. Auch Projekte zum Thema Wasser und Gesundheit, die v.a. in Afrika angesiedelt sind, zählen dazu.

Ein Programmpunkt aus diesem Bereich, der im deutschen Stiftungswesen zunehmend an Bedeutung und Beachtung gewinnt, widmet sich dem Social Business. Durch Hilfe zur Selbsthilfe sollen von Armut betroffene Menschen in Entwicklungsländern dazu motiviert werden, sich eigene Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die so geförderten Sozialunternehmen richten sich dabei auch inhaltlich nach den Schwerpunkten der Stiftungsarbeit (Bildung, Trinkwasser und Gesundheit). Im Rahmen dieses unternehmerischen Ansatzes werden durch die Stiftung und ihre Kooperationspartner für einen begrenzten Zeitraum(technologische) Ressourcen und Kompetenzen zur Verfügung gestellt. Im Anschluss werden die Sozialunternehmer in die Selbständigkeit entlassen – ein Konzept zur „Starthilfe“, wodurch der erfolgte Wissenstransfer nachhaltig zur Wirkung kommen kann. In 2009 und 2010 werden dazu zunächst zwei Pilotprojekte durchgeführt. [Vgl. zum Thema Lawaldt, Angela / Frischen, Konstanze: Social Entrepreneurship: Theorie und Praxis des Sozialunternehmertums, S&S RS 6/2008]

Auch bei den Programmen der Bereiche Gesellschaft & Technik und Kunst & Kultur spielt im Sinne der integrativen Ausrichtung aller Programme die nachhaltige Vermittlung von praktisch anwendbarem Wissen und die Aktivierung von bürgerschaftlichem und sozial und umweltbewusst orientiertem selbstständigen Engagement eine bedeutende Rolle. Projekte aus diesen Bereichen befassen sich etwa mit Ressourcenschonung, bürgerschaftlichem Engagement, dem Dialog zwischen den Kulturen zum gegenseitigen Austausch und Wissenstransfer sowie Bildender Kunst, Musik, Theater und Kunstvermittlung im Zusammenspiel von Kunst und Wirtschaft.

Die Siemens Stiftung will mit ihrem modernen Ansatz das praktische Leben von Menschen in Armut und sozial benachteiligten Gebieten beeinflussen, um es nachhaltig lebenswerter zu machen. Die ersten Berichte zur Stiftungsarbeit in Deutschland und den Entwicklungsländern werden mit Spannung erwartet. (17/11/09; Anja Ludwig, Redaktionsassistentin, Berlin)

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