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Ernst Ludwig Kirchner Stiftung Davos

Von Karin Schick, Davos

Im Herbst 2007 feierte die Ernst Ludwig Kirchner Stiftung ihr 25-jähriges Jubiläum – seit mehr als einem Vierteljahrhundert sieht sie es als ihre Aufgabe, das Gedenken an den deutschen Künstler Ernst Ludwig Kirchner zu fördern, sein Werk zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kern ihres Engagements ist das in ihrem Eigentum befindliche Kirchner Museum Davos.

Kern ihres Engagements ist das in ihrem Eigentum befindliche Kirchner Museum Davos. Es beherbergt die weltweit größte Sammlung an Werken des Künstlers und ist mit seinem bedeutenden Dokumentenarchiv und einer umfassenden wissenschaftlichen Bibliothek zugleich ein übernationales Forschungszentrum zum Expressionismus. Das monografische Museum widmet sich Kirchner, präsentiert aber auch andere Künstler der Klassischen Moderne sowie Werke unserer Zeitgenossen.

ANFÄNGE UND ENTFALTUNG

Unter dem Namen E. L. Kirchner Stiftung wurde die Stiftung im Juli 1982 in Davos gegründet. Von Beginn an war sie Initiative und Engagement verschiedener Persönlichkeiten: Der Bürgermeister und der Verkehrsdirektor der Gemeinde beteiligten sich ebenso wie Privatleute, darunter der Deutsche Roman Norbert Ketterer, ehemaliger Kunsthändler und Verwalter von Kirchners Nachlass. Die Stiftung erhielt erste Geschenke, Kunstwerke wie Barmittel, und der zweite Stock des Postgebäudes in Davos Platz wurde zu einem bescheidenen, aber qualitätvollen Museum umgebaut: Im Dezember 1982 eröffnet, fand es sofort und anhaltend Anklang bei in- und ausländischen Kunstfreunden.

Eine neue Stufe erreichte das Kirchner-Projekt mit der Ankündigung Roman Norbert Ketterers, er, seine Frau und die Familienstiftung Benvenuta, Vaduz, wollten der Stiftung eine Sammlung mit über 500 Werken des Künstlers, ein Dokumentenarchiv und eine Kunstbibliothek übereignen: Bedingung war die Errichtung eines Kirchner Museums. Überrascht wurden die Davoser durch die kurz darauf folgende Mitteilung, die Familienstiftung Benvenuta wolle auch für die gesamten Baukosten aufkommen. Gern gab die Gemeinde ihrerseits nun Baurecht und Baugrund, repräsentativ an der Davoser Promenade gelegen, und im September 1992 konnte das Kirchner Museum Davos seine Türen öffnen. Das Gebäude ist der erste große Auftrag, den die Zürcher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer realisieren konnten: In seiner schlichten, konsequenten Bauweise gilt es bis heute als wegweisend für eine neue Auffassung in der Museumsarchitektur, und zu seinen jährlichen Besuchern zählen neben Kunstliebhabern zahllose Architekturinteressierte.

KIRCHNER UND MEHR

Aufgrund weiterer Schenkungen aus Privatbesitz verfügt das Kirchner Museum heute über eine Sammlung von über 2.000 Werken — Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, druckgrafische und textile Werke sowie 160 Skizzenbücher. Alle wichtigen Themen im Schaffen Kirchners sind repräsentativ vertreten: Atelier-, Akt- und Zirkusszenen, Porträts, Figuren- und Landschaftsbilder von der „Brücke”-Zeit bis zum Schweizer Spätwerk. Ergänzt wird der monografische Bestand durch Werkkonvolute der Künstler Fritz Winter und Albert Müller sowie Hauptwerke von Lyonel Feininger, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Wilhelm Lehmbruck und Otto Mueller. Darüber hinaus betreut das Haus bedeutende Leihgaben aus Privatbesitz.

Das Kirchner Museum Davos präsentiert neben Kirchner auch andere Meister der Klassischen Moderne sowie der zeitgenössischen Kunst und gibt wissenschaftliche Publikationen zu unterschiedlichen Themen heraus. Vor allem aber bietet es dem Besucher das außergewöhnliche Erlebnis, Werke Ernst Ludwig Kirchners am Ort ihrer Entstehung zu sehen und die faszinierende Schweizer Bergwelt zu erfahren, die den deutschen Künstler zu einer großen Anzahl bedeutender Werke inspirierte. (Erschienen in S&S 4/2008)

Die Autorin: Dr. Karin Schick ist Direktoin des Kirchner Museum in Davos

Kirchner Museum Davos

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