Akteure & Konzepte

Stiftungsporträts

Die Dhamma-Stiftung

Kloster bietet Geben im Annehmen

Klöster sind Orte der stillen Begegnung. Im Kloster gibt es kein Missionieren oder Überzeugenwollen, keine Religion braucht sich zu ändern. Die Dhamma-Stiftung trägt – einzigartig in Deutschland - ein buddhistisches Kloster und fördert so die Religion der Buddha-Lehre (Dhamma) durch Studium und Praxis. Sie steht in der Theravada-Ordenstradition, übersetzt „Weg der Älteren“, der ältesten noch existierenden Schultradition des Buddhismus. Doch ist die Stiftung nicht an asiatische Einrichtungen gebunden; vielmehr gewährleistet sie das freie Wachsen einer deutschen Form buddhistischen Lebens.

Frei von den kulturellen Prägungen des asiatischen Herkunftslandes setzt die Dhamma-Stiftung buddhistischen Erkenntnislehre auf der Grundlage der traditionellen Lehrtexte des Pali-Kanons inhaltlich um, der ältesten zusammenhängend überlieferten Sammlung von Lehrreden des Buddha Siddharta Gotama (650 v.Chr.).

Üben
Die Kloster-Einsiedelei befindet sich in dem kleinen alten Dorf Hassel im Westerwald. Idyllisch am Berghang einer Lichtung gelegen, kilometerweit von Wald umgeben und nur über Forstwege erreichbar, bietet es ideale Bedingungen für ein abgeschiedenes klösterliches Leben und meditatives Üben. Leitende Nonne des Klosters ist eine Deutsche, Dhamm? Mahatheri. Ihre klösterliche Ausbildung erhielt sie während eines siebenjährigen Aufenthalts in asiatischen Klöstern; 1987 wurde sie ordiniert. Bereits zu Beginn des 20. Jh. bildete diese Richtung der Einsiedlernonnen und -mönche einen europäisch geprägten Zweig heraus.

Im Kloster finden regelmäßig Übungstage statt. Das meditative Üben, eingebettet in Vorträge, Anleitungen, kontemplatives Betrachten und Erschließen traditioneller Lehrredentexte gehen mit Alltäglichem einher, denn im Kloster wird das Leben in all seinen Bestandteilen als „Üben“ angesehen. Fortströmende Gedanken inne zu halten und sie in guter Ausrichtung in Beruhigung zu führen, Gefühle wach wahrzunehmen und auch hier das Innere in Balance zu halten, sind wesentliche Aspekte dieser Achtsamkeitsschulung. An fünf Tagen im Monat öffnet sich das Kloster für Gäste, die etwas Abstand vom Alltag, Ruhe und innere Einkehr suchen, selbst üben wollen oder klösterliches Leben kennenlernen möchten.

Geben

Die Gebäude des Klosterdorfes bieten Raum für mehrere Nonnen, Mönche und befristet Übende. Die mit dem Kloster verbundenen Aufgaben, z.B. die Verwaltung oder die Pflege des Waldes, werden ehrenamtlich geleistet. Wo nötig, wird fachliche Hilfe in Anspruch genommen.

Im klösterlichen Alltag fließt Ideelles und wirtschaftlich Notwendiges zusammen. Klöster leben mit dem, was ihnen gegeben wird. Die täglichen Übungen im Kloster sind zwar dem Geistigen geweiht, jedoch nicht ohne weltlichen Bezug. Dieser wird über das Annehmen von Gaben realisiert, denn die täglichen Bedarfsgüter (Essen, Räumlichkeiten, Bekleidung, Medizin etc.) werden dem Kloster traditionellerweise über Spenden zuteil.

Das Kloster ist in vielfältiger Weise in das regionale Umfeld eingebunden. So bestehen gute Kontakte zu den Nachbarn, der Gemeinde Pracht und den christlichen Kirchen vor Ort. Die Nähe findet Ausdruck in gemeinsamen Aktivitäten, wie z.B. Motorsägekursen im Stiftungswald, gemeinsamer Holzbearbeitung und Maschinennutzung.

Der Autor
Der Psychologe Dr. Martin Hoffmann ist Inhaber der Ruhe in Bewegung Beratungsgesellschaft für Kommunikation und Kooperation mbH sowie Mitinitiator und Vorstandsmitglied der Dhamma-Stiftung

dhamma-stiftung.de

Der Artikel ist erschienen in Stiftung&Sponsoring 4/2010

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