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Wie erlernen Migrantenkinder die deutsche Sprache?

Neues Förderprojekt der Daimler und Benz Stiftung zur Sprachstandsermittlung: 15 Wissenschaftler arbeiten künftig in einem interdisziplinären Forschungsvorhaben zusammen. Ein neues Verfahren soll die Beherrschung des Deutschen bei Kindern von vier bis sechs Jahren mit Migrationshintergrund praxisnah beschreiben.

Rund ein Drittel aller derzeit in Deutschland eingeschulten Kinder besitzen einen Migrationshintergrund. “Dies bedeutet keineswegs, dass sie die deutsche Sprache deswegen schlechter beherrschen als ihre deutschsprachigen Altersgenossen”, erläutert Prof. Dr. Jörg Roche, Sprachwissenschaftler an der Universität München. “Dennoch beobachten wir, dass in der Praxis oft eine Gleichsetzung stattfindet. Aus dieser voreiligen Zuschreibung können den Kindern aber für den weiteren Lebensweg erhebliche Nachteile erwachsen, bis hin zur Zugangsverweigerung für weiterführende Schulen.” Für die Gesellschaft wiederum bedeutet dies, dass viele junge Talente ungenutzt bleiben und zusätzlich die Gefahr besteht, dass finanzielle Mittel in ungeeignete Fördermaßnahmen investiert werden.

Den Ausgangspunkt für eine verbesserte Sprachförderung muss daher eine standardisierte und valide Erhebung der individuellen Sprachfähigkeit bilden. Für die Entwicklung einer solchen neuen Erhebungsmethode hat die Daimler und Benz Stiftung das Forschungsvorhaben “Sprachstandsermittlung bei Kindern mit Migrationshintergrund” initiiert. An dem Projekt sind 15 Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen beteiligt. Es ist auf einen Zeitraum von zunächst zwei Jahren, bei positiver Begutachtung auf drei Jahre, ausgelegt und wird mit rund 300.000 € pro Jahr gefördert. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Jörg Roche von der LMU München.


Foto: Daimler und Benz Stiftung/Oestergaard

“Unser Ziel ist die Entwicklung völlig neuer Methoden, um Sprachwissen zu testen”, erläutert Roche. Zwar existiere bereits eine ganze Reihe an verschiedenen Sprachtests, diese seien aber zumeist kaum auf Kinder mit Migrationshintergrund ausgelegt. “Diese Tests lassen sich in der Praxis nur umständlich anwenden und erfassen nur in sehr engen Grenzen, was eigentlich ermittelt werden soll, nämlich die Fähigkeiten des Kindes, sich in der jeweiligen Redesituation angemessen auf Deutsch auszudrücken und gut zu verstehen, was andere in dieser Sprache formulieren.” Stattdessen messen sie oft isoliert einzelne sprachliche – zumeist grammatische – Merkmale wie Wortendungen, Wortstellung sowie Menge und Länge von Wörtern und Sätzen, die das sprachliche Verhalten der Kinder in mehr oder minder unnatürlichen, mitunter sogar von ihnen als bedrohlich empfundenen Prüfungssituationen kennzeichnen.

Das Ziel des von der Daimler und Benz Stiftung geförderten Entwicklungs- und Forschungsprojektes ist es daher, ein faires, akkurates und in eine angenehme Spielumgebung eingebettetes Verfahren zur Sprachstandsermittlung von Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren zu entwickeln und zu erproben”, so Roche. Dafür sollen Testverfahren in Spielform, sogenannte “Serious Games”, für Laptops oder Tablet-Computer entwickelt werden, die in Schule oder Kindergarten nicht nur einfach und praxisnah anzuwenden, sondern auch verlässlich auszuwerten sind. So kann das sprachliche Handeln der Kinder in Situationen betrachtet und analysiert werden, die ihnen vertraut sind und in denen sie unbekümmert und mit klaren Zielen kommunizieren.

(11.12.2015 | Quelle: Daimler und Benz Stiftung)

Website der Daimler und Benz Stiftung

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