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Klassik Stiftung erzielt Einigung über Erwerb der Almanachsammlung Arthur Goldschmidts

Die Klassik Stiftung Weimar kann die als NS-Raubgut identifizierte Almanachsammlung Arthur Goldschmidts rechtmäßig für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek erwerben. Vorausgegangen ist eine gütliche Einigung mit den Erben und der Jewish Claims Conference. Es handelt sich um einen der größten Restitutionsfälle im deutschen Bibliothekswesen, wie der Direktor der Bibliothek, Michael Knoche, bekanntgab.

Foto: Klassik Stiftung Weimar/Ulrich Schwarz

Die 2.000 Bände umfassende Sammlung mit Almanachen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zählt zum Kernbestand der Weimarer Bibliothek. Die Kulturstiftung der Länder hat die Erwerbung großzügig unterstützt.

Der Leipziger Unternehmer Arthur Goldschmidt (1883–1951) war ein passionierter Sammler von Büchern. Seine Bibliothek zählte 40.000 Bände. 1932 publizierte er ein Buch über “Goethe im Almanach”. Im Nationalsozialismus war Goldschmidt 1936 gezwungen, seine Almanachsammlung weit unter Wert für 2.000 Reichsmark an das Goethe-und Schiller-Archiv zu verkaufen. Goldschmidt wurde in der Folgezeit vorübergehend inhaftiert, sein Sohn wurde ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Die Familie überlebte und konnte emigrieren. Im Zuge der Gründung der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten gelangte die Almanachsammlung 1955 in die Zentralbibliothek der Deutschen Klassik, der heutigen Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Historische Almanache als jährlich erscheinende, meist bibliophile Schriften zu sehr unterschiedlichen Themen dienen heute als wichtige Quellen zur zeitgenössischen Kultur. Die Palette in Goldschmidts Sammlung reicht von den bekannteren literarischen Musenalmanachen über Balletttanz, Travestien, Karneval und Masken, Kirchen und Ketzer, Leipziger Frauenzimmer bis hin zu einem satirischen Mückenalmanach von 1797, daneben finden sich auch fachkundliche Kalender für Forst- und Jagdfreunde, Schauspieler und Schauspielfreunde sowie Militärs. Unter den Almanachen sind etliche Titel überliefert, die auf dem Antiquariatsmarkt nicht mehr erhältlich sind. Erstausgaben von Goethe und Schiller, aber auch heute sehr seltene historische Themenkalender machen den Bestand für die Weimarer Bibliothek und die Forschung so kostbar.

Während und infolge des Nationalsozialismus ist es in Einrichtungen der Klassik Stiftung zu Erwerbungen von unrechtmäßig entzogenem Kulturgut gekommen. Derzeit bemüht sich die Stiftung im Rahmen eines Forschungsprojekts, solche Provenienzen zu klären. Diese Arbeit ist schwierig und aufwendig. Sie muss in der Klassik Stiftung langfristig personell und finanziell abgesichert werden. Präsident Hellmut Seemann erklärte, dass die Stiftung hier einen Schwerpunkt ihrer eigenen Arbeitsplanung setzt. Zugleich wies er darauf hin, dass man die Verpflichtung, zweifelhafte Bestände flächendeckend zu klären, nur dann erfüllen könne, wenn die Provenienzforschung der Institutionen, die öffentliche Hand und die deutsche Öffentlichkeit in dieser Verpflichtung, die sich aus der Washingtoner Erklärung von 1998 ergibt, eine gemeinsame Aufgabe erkennen. Die Klassik Stiftung sei, wie alle öffentlichen Archive, Bibliotheken und Museen, weit davon entfernt, diese Aufgabe aus eigener Kraft und ohne weitere Unterstützung meistern zu können.

(8.2.2013 | Quelle: Klassik Stiftung Weimar)

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