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Entschädigung für NS-Zwangsarbeit wissenschaftlich aufgearbeitet

Mehr als rund 4,4 Mrd. € hat Deutschland zwischen 2001 und 2007 an 1,66 Millionen ehemalige NS-Zwangsarbeiter in 98 Ländern ausbezahlt. Das groß angelegte Projekt der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" unter Leitung von Prof. Dr. Constantin Goschler (Ruhr-Uni Bochum) ist abgeschlossen, die Ergebnisse sind nun in vier Bänden im Wallstein-Verlag erscheinen.

Erwartete man anfangs, die Opfer würden das Geld eher als symbolische Anerkennung empfinden, so stellte sich nachträglich heraus, dass sie die Entschädigung unterschiedlich bewertet haben, je nach ökonomischer Lage und persönlicher Erinnerung an die Zwangsarbeit. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft”.

In einem komplexen Auszahlungsverfahren entschädigte die Stiftung zusammen mit sieben internationalen Partnerorganisationen neben jüdischen Sklavenarbeitern vor allem ehemalige Zwangsarbeiter in Ost- und Ostmitteleuropa, die bis dahin kaum Wiedergutmachung erhalten hatten. Unmittelbar nach dem Abschluss der Zahlungen begann ein internationales Team von 20 Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Constantin Goschler an der Ruhr-Universität Bochum die Umsetzung und die Folgen des Auszahlungsverfahrens zu erforschen. Sie durchsuchten umfangreiche Archivbestände beteiligter Organisationen in acht Ländern und führten zahlreiche Zeitzeugeninterviews.

Die Resultate ihrer vierjährigen Forschungen zeigen, wie politische Verteilungskämpfe und bürokratische Organisationen mit komplexen Verfolgungserfahrungen und konkurrierenden Gerechtigkeitsansprüchen umgegangen sind, wie die Empfänger finanzielle Leistungen bewertet haben und wie sie zugleich die europäische Erinnerungslandschaft umformten. Die Bände widmen sich dem Umgang mit der Zwangsarbeit in Deutschland und der Arbeit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (Band 1), der Praxis der weltweit tätigen Jewish Claims Conference und der International Organization for Migration (Band 2), den Auszahlungen und ihren Folgen in Polen und Tschechien (Band 3), sowie der Zwangsarbeiterentschädigung und Erinnerungskultur in den postsowjetischen Gesellschaften (Band 4).

(5.9.2012 | Quelle: Ruhr-Universität Bochum)

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