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Trauer um Karlheinz Böhm

Der Gründer der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" und bekannte Schauspieler ist am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren verstorben.

Karlheinz Böhm (Foto: Peter Rigaud/Stiftung "Menschen für Menschen")

Karlheinz Böhm, der “Menschen für Menschen” 1981 aus Wut über die Diskrepanz zwischen Arm und Reich gegründet hatte, setzte sich über 30 Jahre lang für bessere Lebensbedingungen in Äthiopien ein. Mit ihm “verliert die Welt einen mutigen Visionär und unerbittlichen Kämpfer für Gerechtigkeit”, heißt es in dem von “Menschen für Menschen” veröffentlichten Nachruf. Die Stiftung trauere um einen Menschen, mit dem alle Mitarbeiter und Unterstützer jahrzehntelang in ihrem Engagement für Äthiopien eng verbunden waren.

Böhm habe eindrucksvoll vorgelebt, dass es auf den Einsatz eines jeden einzelnen Menschen ankommt und jeder nach seinen Möglichkeiten einen Beitrag leisten kann. Seine Äthiopienhilfe habe dazu beigetragen, dass Millionen Menschen in Äthiopien heute ein besseres Leben führen.

Im Mittelpunkt der Arbeit von “Menschen für Menschen” stand für Karlheinz Böhm von jeher der Mensch: Hilfe zur Selbstentwicklung nannte er deshalb das Prinzip, nach dem die Organisation gemeinsam mit der Bevölkerung arbeitet. In so genannten “Integrierten ländlichen Projekten” werden Maßnahmen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Infrastruktur, Soziales und Frauenförderung so miteinander verzahnt, dass die Menschen sich selbst aus der Armut befreien können und somit Chancen für eine bessere Zukunft erhalten. Bis heute erreicht die Arbeit der Organisation rund fünf Millionen Äthiopierinnen und Äthiopier.

Zur Person
Karlheim Böhm (Jahrgang 1928) begann zunächst ein Studium der Philosophie und Philologie an der Universität Graz. Doch es zog ihn in die Schauspielerei. 1948 kam er zu einer ersten Rolle am Wiener Burgtheater.1952 gab ihm Arthur Rabenalt die Chance, sich neben Hildegard Knef und Erich von Stroheim in einer Hauptrolle zu beweisen (“Alraune”). Internationale Berühmtheit erlangte Karlheinz Böhm mit seiner Filmrolle als Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider in der “Sissi”-Trilogie zwischen 1955 und 1957. Einen Kontrapunkt zum Image des “Sissi-Kaisers” setzte er 1960 als Mark Lewis in Michael Powells aufsehenerregendem Psychodrama “Peeping Tom” (Augen der Angst). Diesen Film, den das Publikum bei seiner Erstaufführung radikal ablehnte, zählt die New York Times heute zu den Top Ten der Film-Klassiker. Nach Gastspielen in Hollywood, Theaterengagements in Europa und eindrucksvollen Charakterrollen in Rainer Werner Faßbinder-Produktionen wie “Martha” (1973) oder “Effi Briest” (1974) nahm das Leben des Filmstars in den frühen 80er-Jahren aber eine entscheidende Wende.

Bewegt von einem Afrika-Besuch und der zu diesem Zeitpunkt verheerenden Dürrekatastrophe in Äthiopien, startete Karlheinz Böhm in der Sendung “Wetten, dass …?” am 16. Mai 1981 seinen legendären TV-Aufruf. Er wettete, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Schweizer Franken oder sieben österreichische Schillinge für die notleidenden Menschen in der Sahelzone spenden würde. Er gewann – trotzdem kamen damals 1,2 Millionen Mark zusammen. Geld, mit dem er am 13. November 1981 die Organisation “Menschen für Menschen” gründete und als erstes Projekt 1.500 Halbnomaden in vier neuen Dörfern im Erer-Tal ansiedelte.

Karlheinz Böhm leitete die Äthiopienhilfe bis ins Jahr 2011 persönlich. Ab November 2011 war er Ehrenvorsitzender von Menschen für Menschen. Seine Frau Almaz Böhm, seit 1986 für die Organisation tätig, wurde 2008 zur geschäftsführenden Vorsitzenden und im November 2011 zur Vorstandsvorsitzenden der Stiftung gewählt.

(30.5.2014 | Quelle: Menschen für Menschen)

Website der Stiftung "Menschen für Menschen"

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