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Literaturtipps

Jüdische Wohlfahrtsstiftungen

Ludwig, Andreas / Schilde, Kurt (Hrsg.): Jüdische Wohlfahrtsstiftungen. Initiativen jüdischer Stifterinnen und Stifter zwischen Wohltätigkeit und sozialer Reform (Schriftenreihe des Arbeitskreises Geschichte der jüdischen Wohlfahrt in Deutschland 4). Frankfurt am Main (Fachhochschulverlag) 2010 (288 S.) 20 € (ISBN 978-3-940087-66-9)

Jüdische Stiftungen haben in Deutschland besonders im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle gespielt. Während der nationalsozialistischen Diktatur wurden sie systematisch ausgebeutet und vernichtet. Nur in wenigen Ausnahmefällen ist nach 1945 eine Reaktivierung gelungen [vgl. etwa Mecking: … people can no longer escape people … Die Minna-James-Heineman-Stiftung, 1996]. Der vorliegende Sammelband spürt dieser weitgehend untergegangenen jüdischen Stifter- und Stiftungslandschaft nach, manche Beiträge liebevoll ergänzt um Porträtfotos der begüterten jüdischen Wohltäter und der Stiftungsgebäude, zumeist aus den Städten mit großen jüdischen Gemeinden. Deutlich wird die religiöse Motivation der kleinen und großen Dotationen, vermittelt über den Begriff Zedakah [vgl. S&S 5/2010, S. 18 ff.]. Die religiöse Pflicht zur Wohltätigkeit korrespondiert dabei mit dem Anspruch der Armen gegenüber der Glaubensgemeinschaft auf Hilfe zur Selbsttätigkeit. Auf dieses schon modern anmutende Verständnis von sozialer Unterstützung sind viele der Initiativen des jüdischen Bürgertums für wohltätige Zwecke ausgerichtet, die hier erstmalig in ihrer Breite dargestellt werden. Im letzten Beitrag werden Verwaltungsdokumente der Jahre 1938/1939 präsentiert, in denen die systematische Zerstörung jüdischer Stiftungen angeordnet wurde. Ein Buch, das in eindrucksvoller Zusammenschau die Geschichte von gelebter Verantwortung und Verlust darstellt, und von Gefährdungen und Begehrlichkeiten, denen Stiftungen immer ausgesetzt sind.

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