topad


Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

In einem Interview mit der S&S-Redaktion gibt Joach Rogall, Vorsitzenderder Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Einblicke in die aktuelle Situation im Stiftungswesen.

S&S: Herr Professor Rogall, am 17. Mai dieses Jahres wurden Sie von den Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen zu ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Warum haben Sie sich dieser Wahl gestellt?

Rogall: Es reizt mich, noch stärker für den Sektor Verantwortung zu übernehmen. Seit mehr als zwanzig Jahren arbeite ich inzwischen in der Robert Bosch Stiftung und war in den letzten vier Jahren bereits im Vorstand des Bundesverbandes tätig. Die Entwicklung des Stiftungswesens zu befördern, ist mir stets ein Anliegen gewesen. Da kann ich jetzt noch stärker Akzente setzen. Ebenfalls sehr schön ist, in diesem Amt noch intensiver mit noch mehr Stiftungen in Deutschland in Kontakt zu kommen. Die Mitglieder des Bundesverbandes sind ja sehr unterschiedlich. Das empfinde ich auch persönlich als einen Gewinn und freue mich darauf.

S&S: Wie sehen Sie die aktuelle Situation im Stiftungswesen? Welche positiven Entwicklungen gilt es zu verstärken, welche Herausforderungen zu meistern?

Rogall: Positiv sehe ich das große Ansehen, das sich die Stiftungen in Deutschland durch ihre gute Arbeit erworben haben. So haben sich beispielsweise bei der Bewältigung der großen Migrationsherausforderungen seit 2015 Stiftungen lokal und national bewährt und öffentlich keitswirksam geholfen. Die Sichtbarkeit des Stiftungswesens ist nicht zuletzt dadurch erheblich gewachsen. Problematisch ist die derzeitige Niedrigzinsphase, die viele Stiftungen vor große Herausforderungen stellt. War früher eine konservative Vermögensanlage völlig unproblematisch und seitens der Aufsichtsbehörden sogar gewünscht, müssen heute neue Wege gefunden werden, um mit den Erträgen des Stiftungsvermögens noch wirksam tätig werden zu können.

S&S: An welchen Punkten möchten Sie als Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes konkret ansetzen?

Rogall: Natürlich auch gerade bei diesem Thema – neue Formen der Vermögensanlage – aber auch bei der Unterstützung der Stiftungen im Umgang mit und der Nutzung von Digitalisierung, bei der Reform des Stiftungsrechts und bei der Gewinnung der nächsten Generation von Stiftern.

S&S: Sie haben die Überarbeitung der Grundsätze guter Stiftungspraxis angekündigt. Was möchten Sie hier verändert sehen, was ergänzen und warum?

Rogall: Die Grundsätze guter Stiftungspraxis als solche müssen nicht grundsätzlich geändert, sondern vielmehr ergänzt werden. Ich sehe hier insbesondere Bedarf hinsichtlich der Verstärkung von internationaler Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch, denn die Probleme können nicht mehr nur lokal oder national gelöst werden. Hier bieten sich die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die SDG, als Referenzrahmen an. Ferner sollten die Fragen der Vielfalt der Digitalisierung und natürlich der Vermögensanlage Aufnahme finden.

S&S: Kann eine Transparenzoffensive auch Wirkungen bei der anstehenden Reform des Stiftungsrechts haben – und wie ist hier der Stand der Umsetzung?

Rogall: Wir waren in den vergangenen Jahren sehr eng dran und freuen uns darüber, dass unser Vorhaben den Weg in den Koalitionsvertrag gefunden hat. Derzeit entsteht der Gesetzesentwurf, der sich an den Ergebnissen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe orientieren wird. Die meisten unserer Anregungen sind umgesetzt, etwa hinsichtlich der Vereinheitlichung des Stiftungsrechts im BGB, der Stärkung der Stifterrechte in Bezug auf die Ausgestaltung der Satzung oder bei der Business Judgement Rule als Haftungsmaßstab. Wir diskutieren aber auch noch einige Punkte wie die überfällige Einführung eines Stiftungsregisters oder die Sinnhaftigkeit weiterer Namenszusätze zur Kennzeichnung von Stiftungen.

S&S: Reformen der letzten Zeit haben vor allem eine überbordende Bürokratie im Gefolge gehabt, die auch gemeinnützige Einrichtungen trifft. Ich nenne nur die Stichworte Kapitalmarktregulierung, Transparenzregister, Datenschutzgrundver ordnung. Manche Stiftungen meinen, angesichts der Fülle der Verwaltungsaufgaben ihre Satzungszwecken vernachlässigen zu müssen, vom Aufblähen der Verwaltungskosten ganz zu schweigen. Was kann der Verband hier tun?

Rogall: Der Verband hat hier auch hinter den Kulissen in Details viel erreicht, aber grundsätzlich sprechen Sie Regelungen an, die von der EU und eher aus den stiftungsfremden Themen Bekämpfung von Geldwäsche oder Datenschutz kommen. Hier stellen wir uns derzeit so auf, dass wir nicht nur bundes- und fachpolitisch effektiv unsere Interessen vertreten, sondern auch über unsere europäischen Netzwerke wie DAFNE und in Allianzen mit anderen Verbänden.

S&S: Und wie sieht es mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aus? Auch hier gibt es schon in Europa viele Unsicherheiten in Kooperation und Förderung.

Rogall: Das Ziel muss sein, die Arbeit und Zusammenarbeit von Stiftungen in Europa, aber auch international über Europa hinaus zu erleichtern. Derzeit ist das durch viele bürokratische und rechtliche Hürden erschwert. Wir haben leider noch kein europäisches Stiftungsrecht. Dabei brauchen wir in einem zusammenwachsenden Europa natürlich auch einen europäischen Binnenmarkt für Philanthropie. Und angesichts der vielen Probleme, die sich nur in globalem Austausch und internationaler Zusammenarbeit lösen lassen, auch Unterstützung in diesem Bereich durch klare und stiftungsfreundliche rechtliche Rahmenbedingungen.

S&S: Kritische Stimmen meinen zudem, dass der Bundesverband die Bürgerstiftungen in ihrer Eigenständigkeit nicht mehr ausreichend berücksichtige. Können Sie diese Sorge nachvollziehen?

Rogall: Die Zusammenarbeit zwischen den Bürgerstiftungen und der Geschäftsstelle des Bundesverbands war in der Vergangenheit nicht immer optimal. Das soll in Zukunft besser werden. Es gab dazu bereits kurz nach meiner Amtsübernahme ein klärendes Gespräch. Wir müssen den berechtigten Wunsch der Bürgerstiftungen nach mehr Sichtbarkeit und Mitsprache in allen sie betreffenden Angelegenheiten unterstützen, damit sie sich auch in Zukunft in unserem Verband gut betreut und gefördert sehen. Sie sind ein wichtiger Pfeiler des Stiftungswesens, auf den wir stolz sind und dessen weiterhin gute Entwicklung auch unser Anliegen ist.

S&S: Der Bundesverband hat in den letzten Jahren zunehmend Aspekte von Social Impact betont. Stiftungen sollten ihr Vermögen nicht an Kapitalmärkten anlegen, sondern direkt in die gute Sache investieren. Manche Kapitalstiftungen fühlen sich insoweit in ihrer Situation nicht mehr ausreichend gesehen. Wie sehen Sie die Situation?

Rogall: Hier geht es nicht um entweder – oder, sondern um zusätzliche, alternative Anlageformen für Stiftungsvermögen. Es gibt da kein Passepartout, sondern jede Stiftung muss die Anlageformen wählen, die für sie am besten geeignet sind. Wir wollen nur den gesamten Instrumentenkasten für die Stiftungen öffnen, und dazu anregen, dass sie bei der Kapitalanlage bewusst über Wirkungs- und Ertragsziele nachdenken.

S&S: Und nun zur Robert Bosch Stiftung. Wie stellt sich ihre Finanzierungsstruktur dar?

Rogall: Die Robert Bosch Stiftung ist zu 92 % Eigentümerin der Robert Bosch GmbH und bezieht auf dieser Grundlage eine jährliche Dividende. Diese ist unsere Hauptfinanzierungsquelle. Dank der soliden Firma ist die Stiftung damit finanziell in einer sehr guten Lage.

S&S: Die gemeinnützige Robert Bosch Stiftung ist eine der größten und bedeutendsten unternehmensverbundenen Stiftungen in Deutschland. Sie ist organisiert als gemeinnützige GmbH. Was macht sie zu einer Stiftung und was zu einer GmbH? Was ist sonst das Besondere an ihr?

Rogall: Die Rechtsform hat für unsere alltägliche Arbeit keine große Bedeutung. Wir sind durch unsere Satzung dem Gemeinwohl verpflichtet. In der gemeinnützigen Verwendung unserer Mittel unterliegen wir wie jede andere steuerbegünstigte Körperschaft den genau gleichen steuerrechtlichen Vorschriften wie eine BGB-Stiftung. Nur in Sondersituationen haben wir als GmbH einen Vorteil, etwa wenn wir unsere gemeinnützigen Satzungszwecke an neue gesellschaftliche Herausforderungen anpassen wollten. Das ist in der Rechtsform einer gGmbH einfacher. Die gemeinnützige GmbH unterliegt jedoch – und das möchte ich nochmals betonen – den exakt gleichen Regeln der Gemeinnützigkeit, sie ist allerdings zusätzlich noch an die strengen Vorschriften des Handels- und Gesellschaftsrechts gebunden.

S&S: Die Stiftung wurde im Jahr 1964 gegründet, lange nach dem Tod des Unternehmensgründers und Namensgebers Robert Bosch 1942. Wie ist es dazu gekommen?

Rogall: Die Stiftung geht zwar auf das Testament von Robert Bosch aus den dreißiger Jahren zurück, aber in diesem letzten Willen hat er nichts von einer Stiftung geschrieben. Tatsächlich ging er noch von einer Weiterführung der Firma als Familienunternehmen aus. Er gab aber Richtlinien an seine Testamentsvollstrecker und Vermögensverwalter bezüglich der Fortführung seiner gemeinnützigen Bestrebungen nach seinem Ableben. Konkret ging es ihm darum, „neben der Linderung von allerhand Not, vor allem auf Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte des Volkes hinzuwirken“. Konkret nannte er „Gesundheit, Erziehung, Bildung, Förderung Begabter, Völkerversöhnung und dergleichen“ als Aufgaben. Die eigentliche Gründung der Stiftung wurde erst durch den Vermögensverzicht der nachfolgenden Generation möglich. Die Mitglieder der Familie Bosch gaben damals rund 86 % des Kapitals der Robert Bosch GmbH zu einem weit unter Wert liegenden Entgelt an die gemeinnützige Vermögensverwaltung Bosch GmbH ab, die später in Robert Bosch Stiftung umbenannt wurde. Mit der Stiftungsgründung wurden die mit den Anteilen verbundenen Stimmrechte an die neu gegründete Industrietreuhand KG übertragen, sodass die Stiftung keinen Einfluss auf das operative Geschäft des Unternehmens hat.

S&S: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen dem seit 1886 bestehenden Unternehmen, der Robert Bosch GmbH mit ihren rund 450 Tochter- und Regionalgesellschaften in etwa 60 Ländern, und der Stiftung?

Rogall: Was Unternehmen und Stiftung bis heute verbindet, ist das gemeinsame Fundament: die Werte von Robert Bosch. Diese prägen bis heute die Kultur in Unternehmen und Stiftung. In ihrer Arbeit sind Unternehmen und Stiftung aber vollständig unabhängig voneinander. Das Unternehmen nimmt keinen Einfluss auf die Stiftungsarbeit, die Stiftung nicht auf die Unternehmenstätigkeit. Das ist schon aus Gründen der Gemeinnützigkeit erforderlich. Die Stiftung ist eine Nonprofit-Organisation, vom Unternehmen erwarten wir das Gegenteil.

S&S: Die Familie Bosch ist mit Kapitalanteilen und Stimmrechten am Unternehmen beteiligt? Wie ist deren Verhältnis zur Stiftung?

Rogall: Dem neunköpfigen Kuratorium der Stiftung gehören zwei Mitglieder der Familie an, derzeit ist einer davon auch Vorsitzender. Die Familie hat mit dem größten Teil des Erlöses aus dem Verkauf von 1964 eigene gemeinnützige Stiftungen errichtet. Soweit die Stiftungszwecke dies ermöglichen, gibt es immer wieder auch eine Zusammenarbeit dieser Stiftungen mit der Robert Bosch Stiftung, beispielsweise mit der Heidehof Stiftung beim Deutschen Schulpreis oder dem United World Robert Bosch College in Freiburg.

S&S: Auf dem diesjährigen Deutschen Stiftungstag wurde Ise Bosch, Enkelin von Robert Bosch und selbst Unternehmerin und Philanthropin, mit dem Deutschen Stifterinnenpreis für ihr vielfältiges Engagement im Bereich sozialer Investitionen und integrierter Philanthropie geehrt. Wirkt sie auch in der Robert Bosch Stiftung mit?

Rogall: Ise Bosch ist eine sehr engagierte Stifterin und eine beeindruckende Persönlichkeit, die ich sehr schätze. Sie gehört aber nicht zu den Familienvertretern im Kuratorium der Robert Bosch Stiftung.

S&S: Ist das Robert-Bosch-„Modell“ ein Vorbild für andere Unternehmen? Wo liegen Chancen und Risiken?

Rogall: Es gibt einige deutsche Stiftungen, wie die Mahle-Stiftung, die sich an dem Robert-Bosch-Modell orientiert haben. Der Vorteil liegt in dem beiderseitigen Interesse von Stiftung und zugehörigem Unternehmen, dass es der jeweils anderen Seite gut geht und das Unternehmen frei von fremden Einflüssen ist, also zum Beispiel nicht feindlich übernommen werden kann. Das Risiko besteht natürlich darin, dass bei schlechter Unternehmensentwicklung auch die Stiftung in Mitleidenschaft gezogen wird.

S&S: Im Zusammenhang mit unternehmensverbundenen Stiftungen wird immer wieder kritisiert, dass die Stiftung – gemessen am tatsächlichen Ertrag – nur unzureichend von den Erfolgen des Unternehmens profitiert. Vielmehr würde ein vergleichsweise hoher Anteil wieder reinvestiert. Berechtigte Kritik – was meinen Sie dazu?

Rogall: Für die Robert Bosch Stiftung kann ich sagen, dass wir ausreichend von den Erfolgen des Unternehmens profitieren. Auch Gewinnanteile, die im Unternehmen reinvestiert werden, sind für die Stiftung nicht verloren, sondern Quelle künftiger Ausschüttungen. Durch eine Mindestdividende sind wir außerdem abgesichert, damit wir die langfristigen Verpflichtungen, vor allem für die von uns getragenen Institutionen, darunter drei Krankenhäuser und eine Schule, tragen können.

S&S: Ein wichtiges Geschäftsfeld der Robert Bosch GmbH ist die Automobilzulieferung. Durch den sogenannten Diesel-Skandal ist auch das Unternehmen berührt. Wie sind die Auswirkungen auf die Stiftung?

Rogall: Wir sind froh, dass das Unternehmen sehr erfolgreich am Markt ist, sodass wir in diesem Jahr sogar eine deutlich höhere Dividende erhalten haben. Natürlich gibt es auch Risiken für die künftige Geschäftsentwicklung. Dabei denke ich aber vor allem an Themen wie den Brexit oder drohende Handelskriege.

S&S: Warum haben Sie die akademische Laufbahn verlassen und sind zur Robert Bosch Stiftung gegangen?

Rogall: Glücklicherweise musste ich mich hier nie ganz für eines gegen das andere entscheiden. Ich hatte die Arbeit an meiner Habilitation schon begonnen, als ich 1996 zur Stiftung kam. Es hat allerdings dann rund vier Jahre gedauert, bis ich sie abschließen konnte, da ich nur an den Wochenenden und in den Ferien dazu kam, intensiv daran zu arbeiten. Ich war aber froh, dies geschafft zu haben, nur möglich dank meiner Frau, die mir trotz Lehrerberuf und der Erziehung unserer Kinder den Rücken freigehalten hat. Seither habe ich, zunächst an der Universität Mainz, nach Umhabilitierung ab 2003 in Heidelberg, in der Osteuropäischen Geschichte jedes Semester Lehrverpflichtungen übernommen. Erst 2014, nach der Übernahme der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung, hat mich die Universität Heidelberg dankenswerterweise für die Dauer dieser Aufgabe von der Lehrtätigkeit beurlaubt. Beides ist schlicht nicht leistbar, aber nach dem Ende meiner Zeit bei der Stiftung freue ich mich auf die Wiederaufnahme meiner akademischen Arbeit.

S&S: Die Robert Bosch Stiftung engagiert sich seit Jahrzehnen im Bereich der Demokratieförderung und Völkerverständigung – gerade auch in Ost- und Ostmitteleuropa. Sie sind dieser Region fachlich und persönlich sehr eng verbunden. Wie beunruhigend empfinden Sie die aktuellen Entwicklungen in Polen und vor allem in Ungarn, wo gerade die Open Society Foundations aufgrund des immensen politischen Drucks seitens der ungarischen Regierung das Land verlassen müssen? Wie reagiert die Robert Bosch Stiftung auf diese Entwicklungen? Und was kann der deutsche Stiftungssektor für die Stärkung der Demokratie tun?

Rogall: Durch unsere Jahrzehnte an Förderung in diesen Regionen verfügen wir über lang gewachsene und belastbare Netzwerke, die gerade in politisch schwierigen Zeiten sehr wertvoll sind. Mit unserer Arbeit versuchen wir, die demokratischen, zivilgesellschaftlichen Kräfte in diesen Ländern zu stärken. Trotzdem beobachte ich die Entwicklungen mit Sorge und sehe es als wichtige Aufgabe, dass der Bundesverband als Vertreter des Stiftungssektors öffentlich darauf aufmerksam macht, wenn zivilgesellschaftliche Akteure in ihrer Arbeit eingeschränkt werden und Repressionen ausgesetzt sind. Die zunehmende Bedrohung zivilgesellschaftlicher Organisationen in anderen Ländern ist auch der Moment für den Sektor in Deutschland, seine Arme zu öffnen. So haben wir als Bundesverband zum Beispiel den Umzug der Open Society Foundations von Ungarn nach Berlin zum Anlass genommen, ein „Willkommensprogramm“ für internationale Mitarbeiter philanthropischer Einrichtungen, die vorübergehend oder dauerhaft nach Berlin ziehen, ins Leben zu rufen. Das Programm besteht aus verschiedenen Elementen wie Rechtsberatung, Orientierungskursen, praktischer Lebens- und Familienhilfe und einem flexiblen, temporären Mitgliederzugang zu Ressourcen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

S&S: Zu guter Letzt: Seit Mai 2018 ist Ihr Terminkalender sicherlich noch praller gefüllt als zuvor – ständig pendeln Sie zwischen Berlin, dem Sitz des Bundesverbandes, Stuttgart, dem Hauptsitz der Robert Bosch Stiftung, und ihrem Wohnort Heidelberg hin und her. Was treibt Sie an?

Rogall: Die Arbeit in der Robert Bosch Stiftung und im Bundesverband gibt mir ständig neue Motivation. Ich empfinde sie als großes Privileg, für das ich dankbar bin. Immer wieder werde ich mit neuen, interessanten Themen konfrontiert, treffe auf spannende Menschen aus dem In- und Ausland und kann Entwicklungen mitgestalten. Bei all dem stehen mir fantastische Mitarbeiter zur Seite, die ihre Arbeit in der Robert Bosch Stiftung und im Bundesverband mit viel Engagement angehen. In meinen mehr als zwei Jahrzehnten im Stiftungssektor habe ich noch keine Minute Langeweile gehabt.

S&S: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

„Werte prägen die Kultur in Unternehmen und Stiftung“


Zur Person

Prof. Dr. Joachim Rogall, geboren am 23. April 1959, verheiratet, drei Kinder, studierte Osteuropäische Geschichte, Slawische Philologie und Germanistik an Universitäten in Mainz, Posen (Polen) und Heidelberg. 1988 schloss sich die Promotion sowie 2000 die Habilitation an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz an. Von 1988 bis 1996 war er dort und am Johann-Gottfried-Herder-Institut in Marburg/Lahn als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Anschließend wechselte er zur Robert Bosch Stiftung, wo er zuletzt als Bereichsdirektor für Völkerverständigung Mitteleuropa, Südosteuropa, GUS, China tätig war, ehe er 2013 in die Geschäftsführung berufen wurde, der er seit 2017 vorsitzt. Seit 2003 ist er außerplanmäßiger Professor für Osteuropäische Geschichte der Universität Heidelberg sowie seit 2014 als stellvertretender Vorsitzender im Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen aktiv, wo er 2018 auf Michael Göring [S&S 04.2006, S. 6 ff.] als Vorstandsvorsitzender folgte.


Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies nutzen. Weitere Informationen

Verstanden