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FRIEDE SPRINGER

Mit großem Einsatz hat sich Friede Springer der Aufgabe verschrieben, den Fortbestand der Axel Springer AG zu sichern. Aktiv bringt sie sich in die Arbeit der von ihr geleiteten Stiftungen ein – die von ihrem verstorbenen Mann errichtete Axel Springer Stiftung und die von ihr selbst errichteten Stiftungen, die Friede Springer Stiftung und die Friede Springer Herz Stiftung.

Im Interview mit Stiftung&Sponsoring erklärt sie, dass für sie die Stiftungsform die beste Möglichkeit ist, eigenes Vermögen und eigene Vorstellungen über den Tag hinaus in einer selbstbestimmten Richtung wirken zu lassen.

Friede Springer - Foto: Jim Rakete

S&S: Ihr stifterisches Lebenswerk wird in diesen Tagen vom Bundesverband Deutscher Stiftungen mit der “Goldmedaille” geehrt. Am 20. Juni werden Sie in Erfurt die Medaille für Verdienste um das Stiftungswesen erhalten. Zu dieser Auszeichnung, die erst zum zweiten Mal an eine Frau geht, zunächst unseren herzlichen Glückwunsch…

Springer: Vielen Dank!

S&S: Zwei Stiftungen haben Sie selbst errichtet: Die Friede Springer Herz Stiftung und die Friede Springer Stiftung. In ihnen und in der 1953 von Ihrem verstorbenen Ehemann errichteten Axel Springer Stiftung sind Sie auch operativ als Vorstandsvorsitzende engagiert. Was sind die Aufgaben dieser Stiftungen?

Springer: Es sind gemeinnützig tätige Förderstiftungen mit unterschiedlicher Ausrichtung. Zweck der Axel Springer Stiftung ist die Unterstützung wissenschaftlicher, mildtätiger und sonstiger gemeinnütziger Zwecke im In- und Ausland. Insbesondere hat sie den wissenschaftlichen Nachwuchs im Blick. So konnten unter anderem viele Historiker gefördert werden, die sich mit Themen der deutsch-jüdischen Geschichte befassen.

S&S: Der Geburtstag Ihres verstorbenen Mannes jährte sich am 2. Mai zum 100. Mal. Nach seinem Tode 1985 haben Sie sich ganz der Axel Springer AG gewidmet und das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist. Was ist Ihre wichtigste Erfahrung aus dieser Zeit?

Springer: Da muss ich Sie korrigieren: So wie das Medienunternehmen heute aufgestellt ist, ist es ein Werk des Vorstandes, vor allem das von Dr. Mathias Döpfner. Er lenkt die Geschicke der Axel Springer AG seit einem Jahrzehnt. Ich selbst bin operativ nicht eingebunden. Ich bin nicht “Verlegerin”, wie öfters geschrieben wird, sondern Stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats. Mit großem Einsatz habe ich mich aber der Aufgabe verschrieben, den Fortbestand des Unternehmens, das heißt, die Mehrheit zu sichern.

S&S: Axel Springer war eine streitbare, aber auch umstrittene Persönlichkeit – allerdings mit unbestreitbaren Verdiensten, nicht nur als erfolgreicher Verleger und Unternehmer. “Bild”, das mit weitem Abstand auflagenstärkste Blatt in Deutschland, ist seine vielleicht wichtigste Innovation. Gerade ist er durch eine Sonderbriefmarke als Vorkämpfer für Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft sowie als großer Freund Israels geehrt worden. Ist er Ihnen Vorbild in Ihrem unternehmerischen wie gemeinnützigen Engagement?

Springer: Die Einheit in Freiheit, das war zu seiner Zeit das höchste Ziel, bezogen auf Deutschland und Europa. Ich denke, vor allem dadurch ist er als Person der Zeitgeschichte in lebendiger Erinnerung, und wohl dafür wurde er geehrt. Von Axel Springer habe ich unglaublich viel gelernt.

S&S: Bereits 1953 – Stiftungen waren nicht besonders verbreitet – hat Ihr Mann die Axel Springer Stiftung errichtet. Was war deren Auftrag?

Springer: Anfangs ging es darum, den journalistischen Nachwuchs in Deutschland und den Einheitsgedanken zu fördern.

S&S: Was macht heute das Tätigkeitsprofil der Axel Springer Stiftung aus?

Springer: Seit Ende der sechziger Jahre liegt ihr Schwerpunkt in der Förderung des deutsch-israelischen Verhältnisses. Unterstützt wurden daher viele soziale, kulturelle und wissenschaftliche Institutionen im Heiligen Land und in großem Maße auch der Schüleraustausch.

S&S: Warum haben Sie sich 2004 zur Gründung der Friede Springer Herz Stiftung entschieden?

Springer: Nach wie vor sind Herz- und Kreislauferkrankungen die Todesursache Nr. 1. Ihnen zu begegnen, ist mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Herzensanliegen. So fördert die Stiftung die Erforschung der Ursachen und die Entwicklung von Maßnahmen zur Verhinderung dieser Erkrankungen, besonders über Einzelprojekte der klinischen Forschung. Sie will dazu beitragen, die diagnostische und therapeutische Versorgung von Patienten zu verbessern. Außerdem laden wir zu einem jährlichen Expertensymposium ein, mit einem speziellen Thema, wie zum Beispiel am 5. Juni zum Bluthochdruck. Mein Mann Axel Springer kam übrigens nicht mehr in den Genuss der heute doch schon verfeinerte Methoden – er starb an einer Herzerkrankung.

S&S: Mittlerweile haben Sie noch die Friede Springer Stiftung gegründet – aus Ihrem Privatvermögen mit einer Dotation in Höhe von 80 Mio. €. Warum hielten sie die Errichtung dieser dritten Stiftung für notwendig? Was können Sie mit ihr zusätzlich bewirken?

Springer: Die Ende 2010 errichtete Stiftung entspricht meinen besonderen Vorlieben und Interessen. Daher fördert sie vorwiegend Wissenschaft und Bildungsprojekte. Und sie wird viel breiter ausgerichtet sein. Neben den Naturwissenschaften wird sie sich auch der Geistes- und Sozialwissenschaften annehmen. Insbesondere junge Talente sollen gefördert werden.

S&S: Warum haben Sie sich gerade für die Stiftungsform als Instrument Ihres gemeinnützigen Handelns entschieden?

Springer: Was ist besser, wenn eigene Vorstellungen und eigenes Vermögen über den Tag hinaus in einer selbstbestimmten Richtung wirken sollen?

S&S: Sehen Sie gerade Ihre letzte Stiftung als konstruktive Antwort auf The Giving Pledge, die von Bill Gates und
Warren Buffett formulierte philanthropisch motivierte Kampagne, durch die die reichsten Personen und Familien in den USA eingeladen wurden, einen großen Teil ihres Reichtums für gesellschaftliche Aufgaben zu geben?

Springer: Ich halte The Giving Pledge für einen tollen Ansatz, um die Allgemeinheit am Vermögen Einzelner teilhaben zu lassen. Das in den USA entwickelte Modell ist allerdings nicht 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragbar.

S&S: Gibt es schon ein Leitbild, das die Stiftung auf besondere Grundsätze verpflichtet?

Springer: In der Präambel unserer Stiftungssatzung sind Grundsätze festgeschrieben, die schon Axel Springer mit Leben füllte: Die Einheit Europas in Freiheit, die lebendige Verbindung zu den USA, die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, die Ablehnung von Totalitarismus – egal ob von links oder rechts – und die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft. Dies stellt den großen Rahmen unserer Arbeit dar. Das Kuratorium und der Vorstand sind noch in der intensiven Diskussion, um ein charakteristisches Förderprofil zu entwickeln, das dem Leitbild entspricht.

S&S: Sie leiten alle drei Stiftungen, die in Zukunft auch gemeinsam in einem Haus arbeiten sollen. Wird dadurch eine klare Profilierung der verschiedenen Stiftungen nicht erschwert?

Springer: Da sehe ich kein Problem. Schließlich lassen sich inhaltliche Überschneidungen bei der Fördertätigkeit vermeiden. Vor allem dadurch, dass in den Vorständen und Kuratorien Persönlichkeiten tätig sind, die ganz unterschiedliche Fachgebiete abdecken.

S&S: Wie wichtig ist Ihnen als Unternehmerin die Wirkung der Stiftungsarbeit?

Springer: Mein Ziel ist es, dass die Förderungen wirken. Ich will greifbare Ergebnisse und wachsende Potenziale sehen.

S&S: Was für Entwicklungen und Projekte stehen jetzt für die drei Stiftungen an?

Springer: Die beiden älteren Stiftungen arbeiten wie gehabt. Bei der Friede Springer Stiftung stellte das erste Jahr eine Orientierungsphase dar. Nun wollen wir mit größerem Einsatz die Wissenschaft und den exzellenten Nachwuchs fördern.

S&S: Alle Stiftungen haben ihren Sitz in der Bundeshauptstadt und stärken den Stiftungsstandort Berlin, der aber noch immer vergleichsweise schwach ist. Wie schätzen Sie seine Perspektiven ein?

Springer: Die hiesige Stiftungslandschaft lebt unverkennbar auf, doch in finanzieller Hinsicht blüht sie noch nicht wie zum Beispiel in Hamburg. Daher wünsche ich Berlin mehr Substanz.

S&S: Was sind Ihre persönlichen Pläne für die nächsten Jahre?

Springer: Ich werde genau prüfen, wo mein Einsatz künftig am effektivsten und wichtigsten ist. Die von mir geleiteten Stiftungen stehen – neben der Wahrnehmung meiner Pflichten im Aufsichtsrat der Axel Springer AG – ganz oben.

Interview als kostenfreier PDF-Download

Zur Person

Dr. h.c. Friede Springer, geboren am 15.8.1942 in Oldsum auf der Insel Föhr, ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer AG. Ihr gehören 7 % der Aktien der Axel Springer AG, dem zweitgrößten deutschen Medienkonzern, daneben 90% der Gesellschaftsanteile der von ihr geführten Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co., welche wiederum mit 51,5% an der Axel Springer AG beteiligt ist.

Sie ist Gremienmitglied in einer Reihe gemeinnütziger Gesellschaften und Vereine und hat etliche Auszeichnungen erhalten, darunter die Moses Mendelssohn Medaille (2012), das Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2008), den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft (2005), den Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin (2003) und den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland (2000).

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