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Akteure & Konzepte

Auszeichnungen

Zwei Hamburger Wissenschaftler erhalten Preis der Werner Otto Stiftung

Der Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung geht 2013 an zwei Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Sie erhalten die Ehrung für ihre Erkenntnisse auf den Gebieten der Klinischen Forschung und Grundlagenforschung, die in der Zukunft zu besseren Therapiemöglichkeiten bei Schlaganfall und HIV-Infektionen führen können.

Der Preis für Klinische Forschung ging an Dr. Nils Daniel Forkert aus der Klinik und Poliklinik für Neuroradiologische Diagnostik und Intervention am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dr. med. Julian Schulze zur Wiesch aus der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik, Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie, am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wurde mit dem Preis für Grundlagenforschung prämiert. Beide Wissenschaftler erhielten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 8.000 €.


Preisverleihung: Dr. Nils Daniel Forkert, Dr. Michael Otto (Vorsitzer des Kuratoriums der Werner Otto Stiftung) und Dr. Julian Schulze zur Wiesch (Foto: Werner Otto Stiftung)

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen und Hauptgrund für schwere Behinderungen in Deutschland. Die Ursache dieser Erkrankung ist meist ein Verschluss der hirnversorgenden Arterien oder seltener eine Ruptur von krankhaften Blutgefäßen im Gehirn, wie zum Beispiel Aneurysmen oder arteriovenöse Malformationen. Moderne Bildgebungstechniken ermöglichen eine präzise 3D-Abbildung der Gefäßanatomie und der zeitlichen Blutflussdynamik, was die Basis für eine optimale Diagnose und Therapie sowie für die bildgestützte Forschung darstellt. Die Begutachtung dieser immensen Bilddaten für klinische und wissenschaftliche Zwecke kann allerdings lange dauern und gerade im Falle von krankhaften Gefäßveränderungen auch sehr vielschichtig sein.

Im Rahmen der prämierten Arbeit entwickelte Dr. Nils Daniel Forkert Algorithmen und Methoden, die es erlauben, mehrere dreidimensionale und zeitaufgelöste Bildsequenzen eines Patienten computergestützt und kombiniert zu analysieren und visualisieren. Dieses ermöglicht nicht nur die patientenspezifische Struktur der Blutgefäße quantitativ zu analysieren, sondern auch den entsprechenden Blutfluss im Gefäß und Gehirngewebe, was u.a. eine genaue präoperative 3D-Vermessung von Aneurysmen oder die Bestimmung des Risikogewebes bei Schlaganfällen ermöglicht. Neben der Möglichkeit eines direkten Einsatzes in der Diagnostik haben sich die entwickelten Methoden auch bereits in mehreren klinischen Studien als nützlich erwiesen. “So konnte mit Hilfe der computergestützten Analysemethoden zum Beispiel gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen der Ruptur einer arteriovenösen Malformation und den Blutflusseigenschaften existiert und dass es möglich ist, neue Medizinprodukte für die Therapie von Aneurysmen schneller und auf Basis kleinerer Studienkollektive klinisch zu testen”, so Dr. Forkert. Insgesamt bilden die entwickelten Methoden das Fundament, um die unterschiedlichen Gefäßerkrankungen besser zu verstehen und so patientenindividuelle therapeutische Maßnahmen zu entwickeln und testen.

Dr. Julian Schulze zur Wiesch beschäftigt sich in seiner Arbeitsgruppe mit den Immunsystem steuernden Mechanismen chronischer Viruserkrankungen – wie zum Beispiel der Hepatitis C Infektion oder der HIV Infektion. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass die sogenannten regulatorischen T Zellen eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung des Immunsystems spielen. Diese Zellen limitieren die Immunantwort gegenüber Erregern. Die genaue Funktionsweise von regulatorischen T Zellen war bisher nicht geklärt. Extrazelluläres Adenosintriphosphat (ATP) entsteht bei Zellverfall und gilt als immunologisches Warnsignal. Vorherige Untersuchungen an Mäusen haben gezeigt, dass die Moleküle CD39 und CD73 auf der Oberfläche von regulatorischen T Zellen vermehrt bereitgestellt – also hochreguliert – werden. Diese Moleküle bauen ATP zu Adenosin ab. Adenosin wirkt wiederum generalisiert entzündungshemmend auf T Zellen. In den aktuellen Studien der Arbeitsgruppe wurden insgesamt eine niedrigere Frequenz und eine gesteigerte Aktivierung und Hochregulation von CD39 auf regulatorischen T Zellen in HIV Patienten gemessen. „So konnten wir in funktionellen Experimenten zeigen, dass nur CD39-positive regulatorische T Zellen andere T Zellen hemmen„, erklärt Dr. Schulze zur Wiesch. In einer weiteren Studie wurde die Ausschüttung von CD73 auf T Zellen von HIV Patienten untersucht. Im Gegensatz zur Maus weist nur eine Minderheit der menschlichen regulatorischen T Zellen CD73 auf. Überraschenderweise ist CD73 auf regulären T Immunzellen bei Gesunden festzustellen. In der HIV Infektion kommt es zu einer globalen Abnahme der Bereitstellung von CD73 auf allen T Immunzellen, welche mit der Aktivierung des Immunsystems korreliert. Die Ergebnisse dieser Studien sind zum Verständnis der Immundysfunktion in der HIV Infektion wichtig. Beide Moleküle bieten die Möglichkeit einer zielgerichteten Immunsystem verändernden Therapie in der Zukunft.

Der Preis der Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung wird alle zwei Jahre für hervorragende wissenschaftliche Leistungen an in Hamburg tätige Forscher und Ärzte verliehen. Mit dem Preisgeld in Höhe von insgesamt 16.000 € soll der Einsatz für neue, lebenswichtige Behandlungsmethoden gewürdigt werden.

(13.12.2013 | Quelle: Werner Otto Stiftung)

Website der Werner Otto Stiftung

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