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Akteure & Konzepte

Auszeichnungen

Hirnforscher Poulet erhält Paul Ehrlich-Nachwuchspreis 2013

Der mit 60.000 € dotierte Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis geht in diesem Jahr an den in Berlin tätigen Hirnforscher Dr. James Poulet. Der Engländer erhält die Auszeichnung, weil „seine Forschung dazu beiträgt, die neuronalen Grundlagen des Verhaltens zu verstehen“, heißt es in der vom Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung verfassten Begründung.

James Poulet (Foto: MDC Berlin-Buch)

Sinneseindrücke führen zu sehr präzisem Verhalten. Man sieht etwas und greift zu. Man riecht und rümpft die Nase. James Poulet untersucht, was sich bei der Koppelung von Sinneseindrücken und Bewegungsverhalten in der Hirnrinde der Maus abspielt, wie sich die Prozesse gegenseitig beeinflussen und welche Nervenzellen, Synapsen und neuronalen Netzwerke dabei eine Rolle spielen. Dafür setzt er neue optische, verhaltensorientierte und elektrophysiologische Methoden ein, die vom Stiftungsrat besonders gewürdigt wurden. “Poulets Arbeit ist auch für die Entwicklung künstlicher Gliedmaßen und Prothesen von zentraler Bedeutung”, schreibt der Stiftungsrat in seiner Begründung weiter.

Poulet, der am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch &NeuroCure Neuroscience Research Center arbeitet, hat durch viele hochrangige Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht. Er konnte nachweisen, warum männliche Grillen nicht taub werden, wenn sie Weibchen durch das rhythmische Reiben ihrer Deckflügel zur Paarung einladen. Dieses aus lauen Sommernächten bekannte Zirpen hat immerhin die Lautstärke einer Motorsäge. Männliche Grillen schalten die für das Hören zuständigen Nervenzellen sehr gezielt herunter, sobald sie mit dem Zirpen beginnen und lösen diese Blockade sofort wieder, wenn sie damit aufhören. Durch dieses Hin und Her zwischen An- und Abschalten werden die Grillen nicht taub, sind aber gleichzeitig noch in der Lage, das Herannahen von Feinden oder Rivalen zu hören.

Poulet hat auch die Nervenzellen identifiziert, die für diesen internen Rückkoppelungsprozess verantwortlich sind. Dieser Prozess ist ein Beispiel dafür, wie Lebewesen zwischen selbst- und fremderzeugten Sinneseindrücken unterschieden. Ein ähnlicher Rückkoppelungsprozess sorgt auch dafür, dass wir beim Schreien keinen Hörschaden bekommen oder uns selbst nicht kitzeln können. James Poulet interessiert sich zudem für das, was weithin als Gehirnzustand bezeichnet wird. Gemeint ist etwa der Übergang vom Dösen ins Hellwachsein. Diese Zustände gehören zur normalen Funktion des Gehirns. Poulet untersucht, wie sie zustande kommen und welche Rolle sie bei der Koppelung von Sinneswahrnehmung und Bewegungsverhalten haben.

Der 2006 erstmals vergebene Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis wird von der Paul Ehrlich-Stiftung einmal jährlich an einen in Deutschland tätigen Nachwuchswissenschaftler oder eine in Deutschland tätige Nachwuchswissenschaftlerin verliehen, und zwar für herausragende Leistungen in der biomedizinischen Forschung. Das Preisgeld muss forschungsbezogen verwendet werden.

(14.3.2013 | Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main)

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