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Akteure & Konzepte

Auszeichnungen

Gerd Bucerius-Förderpreise Freie Presse Osteuropas 2013 in Oslo vergeben

Die ZEIT-Stiftung hat jetzt zusammen mit ihrer norwegischen Partnerstiftung Institusjonen Fritt Ord im Nobel-Institut in Oslo ihre osteuropäischen Journalistenpreise verliehen. Dass einer der Preisträger, Mehman Huseinov, nicht nach Norwegen reisen durfte, wirft ein Schlaglicht auf den Druck aserbaidschanischer Behörden gegenüber einem unabhängigen Fotoreporter.

Mehman Huseinov (Foto: ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius)

Journalistische Professionalität und Zivilcourage zu stärken – darauf zielen die Gerd Bucerius-Förderpreise Freie Presse Osteuropas. “Angesichts der bedrohlichen Lage der Pressefreiheit weltweit hat das Kuratorium entschieden, den Pressepreis weitere drei Jahre auszuschreiben, also bis 2016”, erklärte Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der ZEIT-Stiftung. “Besser wäre es, wir könnten den Preis beenden, weil die Repression nachgelassen, die Bedrohung der Pressefreiheit abklingen würde. Wo das Freie Wort nicht
erwünscht ist, weil es gesellschaftliche Missstände thematisiert, weil es Korruption und Nepotismus offenlegt, weil Journalisten beharrlich recherchieren und ihre Sicht auf die Verhältnisse öffentlich machen, sind wir herausgefordert. Denn jeder Angriff auf die Medienfreiheit ist ein Angriff auf die Zivilgesellschaft.”

Die Preisträger:

Elena Kostjuschenko (geb.1987) ist Korrespondentin der “Novaja Gazeta” in Moskau. Unerschrocken schreibt die engagierte Journalistin über die politischen Protestmärsche oder Sex-Arbeiterinnen entlang der Autobahn, berichtet über eine Moskauer Obdachlosen-Kolonie oder ein verwahrlostes Krankenhaus. Bei der Recherche über akute soziale und politische Fragen des russischen Alltags wurde Kostjuschenko mehrfach bedroht und auch körperlich angegriffen.

Elena Kostjuschenko wurde von Ilja Krieger, Redakteur des Verlages Corpus, Moskau, und der Norwegian Helsinki Comitee and Rights House Foundation, Oslo, nominiert.

Alexander Golts (geb.1955) ist Chefredakteur des Online-Portals “Eshednewnij jurnal” (“Tägliches Journal”). Der Rüstungs- und Militärexperte bewegt sich mit seinen analytischen, faktenreichen Artikeln auf sensiblem Terrain, denn wer an Armee und Geheimdienststrukturen zweifelt, steht unter Verrats-Verdacht. Golts nüchtern-analytische, weithin beachtete Artikel zu nationalen wie internationalen Fragen erscheinen auch auf Englisch in “The Moscow Times”.

Wetschernij Jakutsk (“Abendliches Jakutsk”) erscheint seit 1994 in der Region Jakutien im äußersten Norden Sibiriens. Die Regionalzeitung unter Leitung der Chefredakteurin Maria Iwanowa thematisiert nicht nur Korruption und Umweltzerstörung. Die Wochenzeitschrift bekämpfte die Aufstellung eines Stalin-Denkmals und prozessierte erfolgreich gegen die Stadtverwaltung wegen zu hoher Besteuerung der Bürger. Das Blatt zieht viele Gerichtsverfahren auf sich und seine Journalisten werden vom Geheimdienst bespitzelt.

Serhii Leschenko (geb.1980) aus Kiew ist einer der besten investigativen Journalisten der Ukraine, er schreibt für die online-Zeitung “Ukrainska Prawda”. Leschenko setzt einen genauen und nüchternen investigativen Journalismus gegen Willkür und Gier der politisch Verantwortlichen. Ob er die Korruption bei der Vergabe von Regierungsaufträgen recherchiert oder die Eigentumsfragen bei einem Anwesen des Präsidenten, stets arbeitet er unvoreingenommen und faktenstark.

Tahmina Tagizade (geb.1982) ist vor allem in der Provinzstadt Gandscha im Norden Aserbaidschans tätig. Die Journalistin setzt sich für Demokratie, Pressefreiheit und Völkerverständigung ein. Die Regionalregierung setzt Repressalien gegen sie ein, zeitweilig wurde sie verhaftet. Tagizade schrieb zunächst für eine regionale Zeitung, sie arbeitete dann bis 2011 als Fernsehredakteurin für das Gandscha Medienzentrum. Sie betreibt einen eigenen Blog (tahminatagizade.wordpress.com).

Mehman Huseinov (geb.1990) ist Fotojournalist, dessen eindrucksvolle Bilder und Videos die Zustände in Aserbaidschan zeigen. Seine Dokumentation über den Abriss von Wohnhäusern für den Palast des Eurovision Song Contest 2012 in Baku wurde weithin beachtet, brachte ihn aber auch kurzzeitig hinter Gitter – wegen “Hooliganismus”. Unter Auflagen freigelassen, erwartet ihn eine mehrjährige Haftstrafe. Huseinov veröffentlicht Videos auf youtube, er arbeitet für das Institute for Reporter’s Freedom and Safety sowie für die Nachrichtenagentur TURAN.

(20.6.2013 | Quelle: ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius)

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