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Akteure & Konzepte

Auszeichnungen

DuPont-Stiftung: Hohe Auszeichnung für Würzburger Zuckerforscher

Jürgen Seibel, Professor am Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg, wird mit dem DuPont Young Professor Award ausgezeichnet. Der Preis geht an Wissenschaftler, die wegweisende Forschungsbeiträge auf innovativen Gebieten der Naturwissenschaften und der Medizin leisten.

Jürgen Seibel (Foto: Universität Würzburg/privat)

Seit dem Jahr 1967 vergibt die DuPont-Stiftung alljährlich den Young-Professor-Award. Das Unternehmen DuPont will damit den Kontakt zu den Hochschulen fördern sowie die universitäre Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses unterstützen. Die Preisträger erhalten 75.000 Dollar für ihre Forschungsarbeiten in den kommenden drei Jahren. Darüber hinaus werden sie zu Vortragreisen in die USA eingeladen.

Jürgen Seibel ist in diesem Jahr der einzige Europäer, der den Young-Professor-Award erhält – neben acht Wissenschaftlern aus den USA. Nach Gabriele Sadowski ist er der zweite Deutsche überhaupt, der diese prestigeträchtige Auszeichnung verliehen bekommt.

Jürgen Seibel (Jahrgang 1971) studierte Chemie an der Universität Göttingen. Von 2000 bis 2002 forschte er an der University Oxford, dann wechselte er an die Technische Universität Braunschweig und gründete eine Forschergruppe. 2006 habilitierte Seibel in Bioorganischer Chemie. 2007 ging er ans Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, ebenfalls in Braunschweig. 2008 wurde er von der Dechema (Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie) mit dem Jochen-Block-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2009 wurde er als Chemie-Professor an die Julius-Maximilians Universität Würzburg berufen. Dort forscht und lehrt er am Institut für Organische Chemie.

Zu den Hauptarbeitsgebieten von Jürgen Seibel gehören die Entwicklung chemischer und enzymatischer Synthesen, Biokatalyse, Protein Engineering, Drug Delivery und Glycosciences. Seibel befasst sich schwerpunktmäßig mit Zuckermolekülen: Sein Team spürt biologisch wichtige Zuckerverbindungen auf, baut sie im Labor nach und untersucht ihre Funktionen. Diese Arbeit könnte zu neuartigen Medikamenten führen, weil Zuckermoleküle bei vielen Krankheiten eine Rolle spielen – zum Beispiel bei Krebs, Malaria oder Virusinfektionen wie Vogelgrippe und HIV.

Um die Funktion dieser Zucker genau zu untersuchen, muss man sie allerdings auch künstlich im Labor herstellen können. “Und das ist die Crux an der ganzen Geschichte”, sagt Seibel. Denn diese bestehen meist aus langen, oft verzweigten Ketten aneinandergereihter Zuckermoleküle. “Diese Moleküle haben in der Regel sechs Stellen, die von der Reaktivität her fast gleich sind”, erklärt der Forscher. Möchte man zwei Zuckermoleküle an einer ganz bestimmten Stelle miteinander koppeln, muss man also die anderen Möglichkeiten zuerst blockieren. “Sie sind deshalb mehr damit beschäftigt, die anderen Stellen zu schützen, als die Zuckermoleküle zu übertragen”, so Seibel.

Um die mühsame Zuckersynthese effizienter und wirtschaftlicher zu machen, wollte sich Seibel die Werkzeuge zunutze machen, mit denen auch die Natur Zucker herstellt – nämlich Enzyme. „So richtig gut hat das aber nicht funktioniert“, erzählt der Forscher. Also bediente er sich der Gentechnik, um die Enzyme zu verändern und optimal an ihre Aufgabe anzupassen – mit Erfolg. “Für uns ist das so eine Art Werkzeugkasten. Wir können damit nicht nur einen Zucker machen, sondern sehr viele verschiedenartige.”

Seibel interessiert sich besonders für Zuckerstrukturen, die bei Krankheiten eine Rolle spielen. Zum Beispiel gibt es Tumorzellen, auf deren Oberfläche ganz bestimmte Zucker sitzen. “Und man sucht ja immer nach etwas Besonderem bei Tumorzellen, damit man dagegen vorgehen kann”, sagt er. Seine Arbeitsgruppe versucht nun, diese Zucker herzustellen, um sie als Grundlage für einen Impfstoff gegen Krebs zu nutzen.

Auch der Mechanismus, mit dem Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien ihre Wirtszellen erkennen, fällt in das Feld der Zuckerchemie. “Das ist beim Vogelgrippevirus zum Beispiel ganz interessant”, erzählt der Forscher. Denn das ist für Menschen nur deshalb nicht richtig infektiös, weil es eine bestimmte Zuckerstruktur der humanen Zellen nicht erkennt. “Unser Ziel ist es, Zuckerstrukturen zu isolieren und zu imitieren, die solche Bindungen steuern”, sagt Seibel. Damit ließen sich, so die Hoffnung, die Andockmanöver von Krankheitserregern vielleicht eines Tages blockieren.

(19.7.2012 | Quelle: Universität Würzburg)

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