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Akteure & Konzepte

Auszeichnungen

Deutscher Nationalpreis 2014 für Leipziger Montagsdemonstrationen

Die mit 60.000 € dotierte Auszeichnung der von Altbundeskanzler Helmut Schmidt 1993 gegründeten Deutschen Nationalstiftung erhalten Repräsentanten der Leipziger Montagsdemonstrationen zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und den Fall der Mauer vor 25 Jahren.

Der diesjährige Preis würdigt Menschen, deren revolutionärer Mut und deren Gewaltverzicht den Einsturz des DDR-Regimes und den Fall der Mauer bewirkten. Sachsen und besonders Leipzig hatten dabei eine besondere Symbolkraft für die ganze DDR. Er geht stellvertretend für das breite Spektrum der Leipziger Montagsdemonstrationen an Pfarrer em. Christian Führer (Nikolaikirche), Pfarrer em. Christoph Wonneberger (Lukaskirche) und Uwe Schwabe und zur anderen Hälfte an das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.. Der Preis wird am 24. Juni 2014 in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin verliehen.

Pfarrer em. Christian Führer (71) wurde 1980 Gemeindepfarrer der Nikolaikirche in Leipzig und verantwortete dort bis zur Revolution Friedensgebete, Fürbitt-Andachten für Verhaftete und Gesprächskreise für Ausreisewillige. Unter dem Motto “Nikolaikirche – offen für alle” bot Christian Führer auch nichtkirchlichen Kreisen Schutz. Am 9. Oktober 1989 wurde in der Nikolaikirche der Aufruf der Leipziger Sechs“ zum friedlichen Dialog verlesen, zu denen u.a. Kurt Masur und drei Sekretäre der Leipziger SED-Bezirksleitung gehörten.

Bürgerrechtler Uwe Schwabe (52) ist ausgebildeter Mechaniker und Krankenpfleger. 1984 wurde er aktiv in der Arbeitsgruppe Umweltschutz beim Jugendpfarramt in Leipzig und 1987 in der Arbeitsgruppe Menschenrechte, gründete im selben Jahr die Initiativgruppe Leben und wirkte 1988 bei der Organisation des ersten Pleiße-Gedenkmarsches mit. Er kam mehrfach mit der Stasi in Konflikt und stand auf der Verhaftungsliste der Leipziger Stasi vom 9. Oktober 1989 auf Platz 1. Uwe Schwabe gehörte zu den Gründern des Neuen Forums in Leipzig und des Archivs Bürgerbewegung Leipzig e.V., deren Vorstandsvorsitzender er heute ist.

Pfarrer em. Christoph Wonneberger (70) ist der Initiator der von vielen Gemeinden in der DDR übernommenen Friedensgebete, die Leipziger Christen 1982 übernahmen. Anfang 1987 koordinierte er die Friedensgebete als Gemeindepfarrer der Leipziger Lukaskirche an der Nikolaikirche. Aus ihnen entwickelten sich die Montagsdemonstrationen. 1987 gründete er die kirchliche Arbeitsgruppe Menschenrechte, 1988 wurde ihm die Koordinierung der Friedensgebete von der Kirchenleitung entzogen. Auf der Verhaftungsliste der Leipziger Stasi vom 9. Oktober 1989 stand Christoph Wonneberger auf Platz 3. Am 30. Oktober 1989 erlitt Christoph Wonneberger einen Schlaganfall, dessen Folgen ihn für Jahre von der öffentlichen Bühne fernhielten.

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. wurde 1991 mit Unterstützung von Uwe Schwabe gegründet und befindet sich im Haus der Demokratie in Leipzig. Das Archiv sammelt, bewahrt und erschließt Materialien der Bürgerrechtsbewegung, Selbstzeugnisse der DDR-Opposition, illegal oder unter dem Dach der Kirche entstandene Untergrundliteratur und Veröffentlichungen. Der Bestand umfasst zahlreiche Bücher, Fotos, Video- und Tonkassetten und wissenschaftliche Arbeiten.

Grundstock des Archivs war die analog zur Berliner „Umweltbibliothek“ 1988 gegründete Umweltbibliothek der Leipziger Markus-Gemeinde als Teil der Bürgerrechtsbewegung. Das Archiv wird u.a. von der Stadt Leipzig, der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und der Bundesstiftung Aufarbeitung unterstützt. Es hält die Erinnerung an die friedliche Revolution aufrecht und wird von Schulklassen, Seminargruppen, Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit genutzt.

(11.3.2014 | Quelle: Deutsche Nationalstiftung)

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