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Akteure & Konzepte

Auszeichnungen

Alzheimer-Forschungspreis 2012 der Hans und Ilse Breuer-Stiftung vergeben

Prof. Dr. Thomas Misgeld (TU München) und Prof. Dr. Boris Schmidt (TU Darmstadt) haben den diesjährigen Alzheimer-Forschungspreis der Frankfurter Hans und Ilse Breuer-Stiftung erhalten. Er ist mit insgesamt 100.000 € dotiert und wird zwischen den beiden Wissenschaftlern geteilt.

Alzheimer und ähnliche Demenzen gehören zu den größten gesundheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Die Hans und Ilse Breuer-Stiftung hat sich daher zur Aufgabe gemacht, herausragende Forschung auf diesem Gebiet zu fördern.

Professor Dr. Thomas Misgeld erhält die begehrte Auszeichnung für seine Forschung zum Aufbau und Zerstörung der Nervenverbindungen im Gehirn. Nervenzellen kommunizieren untereinander über teilweise sehr lange Fortsätze, die Axone. Für ein funktionierendes Gehirn müssen unendlich viele Nervenzellen über solche Axone korrekt miteinander verbunden und fehlerhafte Verknüpfungen wieder gelöst werden. Der 1971 geborene Wissenschaftler untersucht diesen äußerst komplizierten Vorgang im lebendigen Gehirn von Tiermodellen, vor allem bei Mäusen, aber auch bei Zebrafischen. Er hat dafür mikroskopische Techniken entwickelt, die es ihm erlauben, mit Hilfe von Lasern beispielsweise die Energiekraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, sichtbar zu machen. Diese Techniken ermöglichen ihm auch, den Transport dieser Kraftwerke durch die langen Axone zu beobachten und dessen Geschwindigkeit exakt zu messen.

Früh schon hat der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler festgestellt, dass seine Forschungsergebnisse nicht nur für das normal funktionierende gesunde Gehirn von größter Relevanz sind, sondern dass seine Ergebnisse auch auf viele Demenzerkrankungen wie Alzheimer und Amyotrophe Lateral Sklerose übertragbar sind. Dabei wird der Transport der Energiekraftwerke durch die Axone verlangsamt und es kommt zu einem Transportstau, der dann zum Absterben der Axone führt. Professor Misgeld fand heraus, dass Radikale, extrem reaktive und hoch toxische Verbindungen, das Absterben der Axone einleiten. Er entdeckte aber auch, dass dieser Vorgang mit “Radikalfängern” gestoppt werden kann und reversibel ist.

Professor Dr. Boris Schmidt erhält den Forschungspreis der Breuer-Stiftung in Anerkennung seiner hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Wirkstoffforschung gegen pathologische Proteinablagerungen der Alzheimer-Krankheit und anderer neurodegenerativer Erkrankungen. Der 1962 geborene Boris Schmidt, der seit 2001 Professor für Organische Chemie an der TU Darmstadt ist, hat in Hannover Chemie studiert und sich anschließend auf Fragen der organischen Chemie und Wirkstoffentwicklung spezialisiert. Nach Aufenthalten in verschiedenen Forschungsinstituten in USA und Europa begann seine Beschäftigung mit neurodegenerativen Erkrankungen in der pharmazeutischen Industrie als Gruppenleiter bei Novartis in Basel. Seit dieser Zeit zielt seine Forschung auf zentrale Fragen der Alzheimer-Krankheit ab. Dort verklumpen (“aggregieren”) bestimmte Proteine wie A-beta oder Tau und zerstören damit Nervenzellen. Die Proteine werden außerdem anomal modifiziert, beispielsweise durch Abspaltung oder chemische Veränderung durch Phosphatgruppen. Deshalb spielen die verantwortlichen Enzyme (Proteasen, Kinasen) eine zentrale Rolle in der Ursachenforschung: Kann man diese Prozesse durch maßgeschneiderte Wirkstoffe unterbinden? Kann man die pathologischen Reaktionen im Gehirn durch neuartige Kontrastmittel sichtbar machen?

Im Fall von A-beta gelang es Boris Schmidt und seinem Team in beeindruckender Weise, neue Hemmstoffe gegen die Aggregation zu entwickeln sowie Inhibitoren der “Sekretase”-Enzyme, durch die das A-beta aus dem Vorläuferprotein APP herausgeschnitten wird. Der chemische Trick ist dabei, nicht nur Moleküle zu finden, die die erwünschte Wirkung haben, sondern sie auch so zu modifizieren, dass sie die Blut-Hirn-Schranke passieren, weil sie erst dann an ihre Wirkstätte gelangen. Außerdem dürfen die Substanzen nicht selbst toxisch sein und Nebenwirkungen erzeugen. Im Fall von Tau-Protein geht es ebenfalls um die Verhinderung der Aggregation sowie um die Hemmung von Proteinkinasen, die die anomale Phosphorylierung hervorrufen. Hier gelang es dem Wissenschaftler, hochspezifische Hemmstoffe zu finden, die nur das Ziel-Enzym herunterregeln, aber nicht die zahlreichen verwandten Proteinkinasen.

Parallel zu diesen Ansätzen, die auf die Therapie der Krankheiten ausgerichtet sind, beschäftigt sich Professor Schmidt intensiv mit der Entwicklung von neuen Marker-Verbindungen, die spezifisch an die pathologischen Aggregate im Gehirn andocken und sie mit Hilfe von modernen klinischen Abbildungsmethoden (beispielsweise PET, MRT) sichtbar machen. Dies dient der Diagnose, die gerade für die langsam fortschreitenden Veränderungen im Gehirn möglichst früh gestellt werden muss, um therapeutische Maßnahmen einzuleiten. Dabei liegt die Herausforderung darin, nur die Zielsubstanzen kontrastreich darzustellen, andere Gehirnstrukturen aber nicht. Diese Beispiele belegen die außerordentlich wichtige Funktion der zielgerichteten chemischen Wirkstoffforschung an der Schnittstelle zwischen der klinischen Diagnose und Therapie einerseits sowie der biomedizinischen Grundlagenforschung andererseits, ohne die neue Durchbrüche bei der Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit und anderer neurodegenerativer Erkrankungen nicht denkbar sind.

(22.11.2012 | Quelle: Hans und Ilse Breuer-Stiftung)

Website der Hans und Ilse Breuer-Stiftung

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